Les quatre grands jeûnes orthodoxes : calendrier complet et guide spirituel

Die vier großen orthodoxen Fastenzeiten: vollständiger Kalender und geistlicher Leitfaden

In der westlichen christlichen Tradition wird das Fasten oft auf einige Fleischabstinenzgebote am Freitag oder eine vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern reduziert. In der orthodoxen Tradition ist das Fasten etwas vollständig anderes — nicht eine gelegentliche Praxis, sondern der grundlegende Rhythmus des geistlichen Jahres. Die orthodoxe Kirche hält vier große Fastenzeiten ein, die das Kirchenjahr gliedern wie die vier Jahreszeiten das Naturjahr, zuzüglich der Mittwoche und Freitage jeder Woche und einiger einzelner Fastentage. Zusammengenommen umfassen die Fastentage fast die Hälfte des Kalenderjahres — was die orthodoxe Kirche zur christlichen Tradition mit der anspruchsvollsten asketischen Disziplin der Welt macht.

In Deutschland, wo orthodoxe Christen aus griechischen, serbischen, rumänischen, russischen und georgischen Gemeinschaften — insgesamt über eine Million Menschen — inmitten einer evangelisch-katholisch geprägten Gesellschaft leben, werden die vier großen Fastenzeiten in einem einzigartigen kulturellen Kontext gelebt: einem Land, das den Freitagsfisch und den Aschermittwoch kennt, aber kaum einen so strukturierten und so exigeanten asketischen Kalender kennt. Dieser Leitfaden stellt die vier großen Fastenzeiten in ihrer kalendarischen Reihenfolge vor — mit ihren Terminen, ihren detaillierten Speiseregeln, ihrer theologischen Bedeutung und Links zu unseren vollständigen Artikeln über jede Fastenzeit.

Inhaltsverzeichnis

Warum fasten? Die Theologie des orthodoxen Fastens

Bevor wir von Terminen und Speiseregeln sprechen, ist es wesentlich zu verstehen, warum die orthodoxe Kirche fastet — denn ohne dieses Verständnis ist das Fasten nur eine religiöse Diät, keine geistliche Praxis.

Die orthodoxe Theologie des Fastens gründet auf einer grundlegenden Überzeugung: Der Mensch ist eine Einheit aus Leib und Seele, und was man dem Leib antut, beeinflusst die Seele, und umgekehrt. Fasten bedeutet nicht, den Leib zu bestrafen — es bedeutet, ihn darin zu üben, die Seele nicht zu beherrschen. Die Überlieferung der Kirchenväter lehrt, dass die Völlerei (Gastrimargia) die erste der zu überwindenden Leidenschaften ist, weil sie die Wurzel aller anderen ist: Wer seinen Bauch nicht beherrscht, wird weder seine Zunge noch seine Gedanken noch seine Begierden beherrschen. Das Fasten ist daher der erste Schritt jeder geistlichen Arbeit.

Das orthodoxe Fasten hat auch eine ekklesiale Dimension: Man fastet nicht allein, man fastet mit der Kirche. Die Tatsache, dass Millionen von orthodoxen Christen auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit fasten, schafft eine unsichtbare, aber reale geistliche Solidarität. Und es hat eine eschatologische Dimension: Zu fasten bedeutet, dem eigenen Leib in Erinnerung zu rufen, dass er nicht nur zum Essen geschaffen ist und zu einer Existenz berufen ist, die die Materie übersteigt.

Das orthodoxe Fasten ist kein Selbstzweck — die Kirchenväter betonen diesen Punkt einmütig. Ein Fasten, das nicht von Gebet, Nächstenliebe und Sanftmut begleitet wird, ist wertlos. Der heilige Johannes Chrysostomos sagt es klar: „Das wahre Fasten besteht darin, sich vom Bösen fernzuhalten, die Zunge zu beherrschen, den Zorn zu unterdrücken, die bösen Begierden, Verleumdungen, Lügen und Meineid zu entfernen."

Kalender der vier großen Fastenzeiten 2026–2027

Die folgende Tabelle zeigt die vier großen Fastenzeiten mit ihren Terminen für 2026 und 2027, ihrer Dauer und ihrer relativen Strenge. Die Kirchen des julianischen Kalenders (russisch-orthodoxe, serbisch-orthodoxe, georgisch-orthodoxe) feiern die festen Feste 13 Tage später — ihre Fastenzeiten sind entsprechend angepasst.

Fastenzeit Termine 2026 Dauer 2026 Termine 2027 Dauer 2027 Strenge
Große Fastenzeit 23. Feb. – 11. Apr. 48 Tage* 15. Feb. – 1. Mai 48 Tage* ⬛⬛⬛⬛ Sehr streng
Apostelfasten 8. Jun. – 28. Jun. 21 Tage 28. Jun. – 28. Jun. 1 Tag ⬛⬛ Moderat
Entschlafungsfasten 1. – 14. Aug. 14 Tage 1. – 14. Aug. 14 Tage ⬛⬛⬛⬛ Sehr streng
Weihnachtsfasten 15. Nov. – 24. Dez. 40 Tage 15. Nov. – 24. Dez. 40 Tage ⬛⬛⬛ Progressiv

* Die Große Fastenzeit im eigentlichen Sinne dauert 40 Tage (bis zum Lazarussamstag). Die darauffolgende Karwoche ist eine eigene, aber unmittelbar anschließende Periode. Die Gesamtdauer einschließlich der Karwoche ist angegeben.

1. Die Große Fastenzeit — das größte der Fasten

Termine: variabel — beginnt am Reinen Montag, 7 Wochen vor Ostern
Termine 2026: Montag, 23. Februar – Samstag, 11. April 2026
Termine 2027: Montag, 15. Februar – Samstag, 1. Mai 2027
Nachfolgendes Fest: Orthodoxes Osterfest
Strenge: die strengste des Jahres

Die Große Fastenzeit ist die Königin der orthodoxen Fastenzeiten — nicht nur wegen ihrer Länge und Strenge, sondern wegen ihrer unvergleichlichen liturgischen Dichte. Während dieser vierzig Tage wird das gesamte Leben der Kirche verwandelt: Die Gottesdienste werden länger, die täglichen Kniefälle nehmen zu, die gewöhnliche eucharistische Liturgie ist an Wochentagen ausgesetzt (ersetzt durch die Liturgie der Vorgeweihten Gaben), und die Farbe der liturgischen Gewänder wechselt zu Violett oder Trauersschwarz.

Die besonderen Wochen der Großen Fastenzeit

Die Große Fastenzeit ist kein gleichförmiger Block von vierzig Tagen — sie ist in thematische Wochen gegliedert, jede mit ihrer eigenen geistlichen Tonlage:

  • 1. Woche: die strengste — der Große Bußkanon des heiligen Andreas von Kreta wird über vier Tage vollständig gesungen
  • 2. Sonntag: Fest des heiligen Gregorios Palamas — die Theologie des Ungeschaffenen Lichts
  • 3. Sonntag: Sonntag des Heiligen Kreuzes — das Kreuz wird zur Verehrung in der Mitte der Fastenzeit aufgestellt
  • 4. Sonntag: heiliger Johannes Klimakos — der Verfasser der Himmelsleiter
  • 5. Sonntag: heilige Maria von Ägypten — Gestalt der radikalen Umkehr
  • 5. Samstag: der Akathistos an die Theotokos — der einzige freudige Gottesdienst in der Mitte der Fastenzeit
  • Lazarussamstag: Abschluss der Großen Fastenzeit im eigentlichen Sinne
  • Palmsonntag: Einzug in die Karwoche

Die Speiseregeln der Großen Fastenzeit

  • Verboten: Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte (Käse, Butter, Sahne), Eier, Öl, Wein
  • Erlaubt: Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Obst, Brot, Wasser
  • Mit Öl und Wein erlaubt: samstags und sonntags (außer Karsamstag)
  • Mit Fisch erlaubt: am 25. März (Verkündigung) und am Palmsonntag — die einzigen zwei Fischtage der Großen Fastenzeit
  • Absolutes Fasten: am Karfreitag und nach einigen Überlieferungen am Karsamstag bis zum Abend

Der Sonntag der Vergebung und der Reine Montag

Die Große Fastenzeit beginnt nicht einfach mit einem ersten Fastentag. Sie wird vom Sonntag der Vergebung eingeleitet — einem der bewegendsten Gottesdienste des gesamten Kirchenjahres. Am Ende der Großen Vesper des Sonntagabends machen alle Gemeindemitglieder voreinander eine Metanie (Kniefall) und bitten einander um Vergebung. Der Priester bittet die Gläubigen um Vergebung, die Gläubigen den Priester, und alle gegenseitig. Erst nach diesem Ritus der Versöhnung kann die Fastenzeit beginnen. Man kann nicht in Frieden mit Gott fasten, wenn man nicht in Frieden mit seinen Brüdern ist.

In den griechisch-orthodoxen Gemeinden Deutschlands ist der Reine Montag (Kathara Deutera) ein besonders gefeierter Tag — Familien treffen sich nach dem Sonnabendabend-Vergebungsgottesdienst zu einem gemeinsamen Fastenessen mit Oliven, Meeresfrüchten und Fladenbrot, in Erinnerung an die griechische Tradition des Reinen Montags als Volksfest.

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2. Das Apostelfasten — das Sommerfahsten

Termine: variabel — beginnt am Montag nach dem Sonntag Aller Heiligen (O + 57 Tage)
Termine 2026: Montag, 8. Juni – Sonntag, 28. Juni 2026 (21 Tage)
Termine 2027: Montag, 28. Juni – Dienstag, 29. Juni 2027 (nur 1 Tag — Ausnahmefall)
Nachfolgendes Fest: Heilige Apostel Petrus und Paulus (29. Juni)
Strenge: moderat

Das Apostelfasten ist das am wenigsten bekannte und am wenigsten streng eingehaltene der vier großen orthodoxen Fasten — teils weil es mitten in den Sommer fällt, teils weil seine Dauer von Jahr zu Jahr sehr variiert. Im Jahr 2026 dauert es 21 Tage; im Jahr 2027, aufgrund eines besonders späten Osterfestes (2. Mai), reduziert es sich auf einen einzigen Tag. Die Länge des Apostelfastens ist variabel, da sein Beginn vom Osterdatum abhängt, während sein Ende fest ist — es kann je nach Jahr einen Tag bis zweiundvierzig Tage dauern.

Ursprung und Bedeutung

Dieses Fasten begeht die Vorbereitung der Apostel auf ihre Evangelisierungsmission nach Pfingsten. Nach dem Herabkommen des Heiligen Geistes intensivierten die Apostel ihre Mission und stützten ihre Bemühungen auf Gebet und Fasten. Die Kirche ahmt diese Haltung nach: Nach den fünfzig Tagen der Osterfreude kehrt sie zur Nüchternheit und zur apostolischen Anstrengung zurück.

In Deutschland trägt der 29. Juni — das Fest der heiligen Petrus und Paulus, das das Fasten abschließt — eine besondere kulturelle Resonanz: Petrus und Paulus gehören zu den häufigsten deutschen Vornamen, und der 29. Juni war in Bayern bis 1970 ein gesetzlicher Feiertag. In den griechisch-orthodoxen Gemeinden Deutschlands ist der Nikolaustag am 6. Dezember ein natürlicher Treffpunkt zwischen orthodoxem Festleben und deutschem Volksbrauch — doch der 29. Juni ist der entsprechende Moment im Sommer: Ein Fest, das jeder Deutsche mit einem Vornamen verbindet, das die orthodoxe Kirche mit einer festlichen Göttlichen Liturgie begeht.

Die Speiseregeln des Apostelfastens

  • Verboten: Fleisch, Milchprodukte, Eier
  • Erlaubt: Fisch, Öl, Wein — außer mittwochs und freitags
  • Mittwoch und Freitag: kein Fisch (Trockengemüse, Brot, Wasser)
  • Es ist das flexibelste der vier Fasten — Fisch ist an den meisten Tagen erlaubt

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3. Das Entschlafungsfasten — das intensivste

Termine: fest — vom 1. bis 14. August (gregorianischer Kalender) / vom 13. bis 27. August (julianischer Kalender)
Dauer: 14 Tage, jedes Jahr ohne Ausnahme
Nachfolgendes Fest: die Entschlafung der Gottesmutter (15. August)
Strenge: so streng wie die Große Fastenzeit

Das Entschlafungsfasten ist kurz — nur zwei Wochen — aber in seiner Strenge der Großen Fastenzeit ebenbürtig. Es ist oft eine Überraschung für diejenigen, die den orthodoxen Liturgiekalender neu entdecken: Warum ein so strenges Fasten für einen so kurzen Zeitraum, mitten im August? Die Antwort liegt im Fest, das es abschließt: die Entschlafung der Gottesmutter, die die orthodoxe Überlieferung das „Ostern des Sommers" nennt — das größte Marienfest des Jahres, geehrt durch eine asketische Vorbereitung von entsprechender Intensität.

In Deutschland ist der 15. August in den meisten Bundesländern kein gesetzlicher Feiertag — mit Ausnahme des Saarlands und bestimmter Gemeinden in Bayern. Für orthodoxe Christen in Deutschland bedeutet die Feier der Entschlafung daher eine bewusste persönliche Entscheidung: Urlaub nehmen, früher zur Arbeit gehen oder einen Abendgottesdienst besuchen. Wer in Deutschland zur Entschlafungsliturgie erscheint, tut dies aus echter Überzeugung — ohne den Rückhalt eines staatlichen Feiertags. Diese stille Entschlossenheit ist selbst ein Ausdruck des apostolischen Geistes, der das Fasten trägt.

Die Paraklese: der eigene Gottesdienst des Entschlafungsfastens

Das Entschlafungsfasten ist das einzige der vier großen Fasten, das einen ihm vollständig eigenen liturgischen Gottesdienst besitzt: die Paraklese (Bittkanon an die Gottesmutter). Dieser Gottesdienst wird jeden Abend während der vierzehn Tage des Fastens gesungen. In den griechisch-orthodoxen Gemeinden Deutschlands — München, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg — ist die abendliche Paraklese im August oft einer der bestbesuchten Wochengottesdienste des gesamten Jahres. Die Paraklese verwandelt diese vierzehn Augustabende in eine Zeit vertrauensvoller Fürbitte an diejenige, die dem Sohn am nächsten ist.

Die Speiseregeln des Entschlafungsfastens

  • Verboten: Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Eier, Öl, Wein (an Wochentagen)
  • Mit Öl und Wein erlaubt: samstags und sonntags
  • Mit Fisch erlaubt: nur am 6. August, dem Fest der Verklärung des Herrn
  • Gleiche Regel wie die Große Fastenzeit, außer dass Fisch nur einmal gewährt wird

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4. Das Weihnachtsfasten — die orthodoxe Adventszeit

Termine: fest — vom 15. November bis 24. Dezember (gregorianischer Kalender) / vom 28. November bis 6. Januar (julianischer Kalender)
Dauer: 40 Tage, jedes Jahr
Nachfolgendes Fest: die Geburt Christi (25. Dezember / 7. Januar)
Strenge: progressiv — am Anfang milder, gegen Ende strenger

Das Weihnachtsfasten ist das orthodoxe Gegenstück zum Advent — aber länger und strukturierter als in der katholischen oder evangelischen Tradition. Es beginnt am 15. November, dem Tag nach dem Fest des Apostels Philippus (daher sein anderer Name in der slawischen Überlieferung: Filippov Post, „Philippusfasten"), und dauert genau vierzig Tage — wie die Große Fastenzeit und wie das Fasten des Mose und des Elija im Alten Testament. Diese Dauer von vierzig Tagen bedeutet, dass die Vorbereitung auf die Geburt Christi denselben Ernst verdient wie die Vorbereitung auf seine Auferstehung.

Ein progressives Fasten

Im Gegensatz zur Großen Fastenzeit oder dem Entschlafungsfasten ist das Weihnachtsfasten progressiv: Je näher man Weihnachten kommt, desto strenger werden die Einschränkungen. Die ersten Wochen sind verhältnismäßig mild (Fisch ist an mehreren Wochentagen erlaubt); die letzte Woche vor dem 25. Dezember erreicht die Strenge der Großen Fastenzeit. Diese pädagogische Steigerung drückt die Bewegung der gesamten Liturgie aus: die Kirche nähert sich schrittweise dem Geheimnis der Menschwerdung.

Das Weihnachtsfasten in Deutschland

In Deutschland fällt das Weihnachtsfasten in die Zeit der Weihnachtsmärkte — in Nürnberg, Köln, Stuttgart, Dresden, Hamburg und überall im Land — der Betriebsweihnachtsfeiern, des Glühweins und der Weihnachtsplätzchen. Das Weihnachtsfasten in Deutschland zu halten bedeutet, gegen den Strom einer der weihnachtsfreudigsten Kulturen Europas zu schwimmen. Der Nikolaustag am 6. Dezember — einer der Fasttage mit Fischdispens — ist in Deutschland der einzige Moment des Jahres, an dem das orthodoxe Festleben und der deutsche Volksbrauch spontan zusammenfallen: Der heilige der deutschen Kinder und der heilige der orthodoxen Liturgie sind ein und dieselbe Person. Der Heilige Abend schließlich ist in Deutschland der emotionale Höhepunkt des gesamten Weihnachtsgeschehens — und für die orthodoxen Gläubigen der Abend, an dem das Fasten nach vierzig Tagen in der Freude der Göttlichen Liturgie des heiligen Basilius bricht.

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Was darf man essen? Die Speiseregeln im Detail

Die folgende Tabelle fasst die Speiseregeln nach Fastenzeit und Wochentag zusammen. Diese Regeln entsprechen dem strengen Mönchstypikon — jeder Gläubige passt sie seinen körperlichen Fähigkeiten, seiner Gesundheit und dem Rat seines geistlichen Vaters an.

Nahrungsmittel Große Fastenzeit Apostelfasten Entschlafungsfasten Weihnachtsfasten
Fleisch / Geflügel ❌ Verboten ❌ Verboten ❌ Verboten ❌ Verboten
Milchprodukte ❌ Verboten ❌ Verboten ❌ Verboten ❌ Verboten
Eier ❌ Verboten ❌ Verboten ❌ Verboten ❌ Verboten
Fisch ✅ 25. März und Palmsonntag ✅ Mo., Di., Do., Sa., So. (verboten Mi. und Fr.) ✅ Nur 6. August ✅ Di., Do., Sa., So. (bis 19. Dez.)
Öl / Wein ✅ Nur Sa. und So. ✅ Außer Mi. und Fr. ✅ Nur Sa. und So. ✅ Di. und Do. (1. Phase); Sa. und So.
Gemüse / Getreide ✅ Immer ✅ Immer ✅ Immer ✅ Immer

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Regeln ideale Normen des klösterlichen Typikons sind, keine Mindestpflichten für alle Gläubigen. Die orthodoxe Kirche verlangt nicht, dass jeder Christ das Fasten in seiner Gesamtheit einhält — sie fordert, dass jeder nach seinen Möglichkeiten fastet, unter der Führung eines geistlichen Vaters. Kranke, Schwangere, Kleinkinder und ältere Menschen sind von den strengsten Regeln befreit.

Mittwoch und Freitag: das wöchentliche Fasten

Über die vier großen Fastenzeiten hinaus hält die orthodoxe Kirche ein wöchentliches Fasten jeden Mittwoch und Freitag des Jahres ein — mit Ausnahme bestimmter „fastenfreier Wochen" (Fastenbrechwochen). Der Mittwoch begeht den Verrat des Judas und die Verhaftung Christi; der Freitag begeht seine Kreuzigung.

Die fastenfreien Wochen sind:

  • Die Osterwoche (Bright Week) — kein Fasten
  • Die Pfingstwoche (Leuchtwoche) — kein Fasten
  • Die Woche zwischen Weihnachten und Theophanie (25. Dezember – 4. Januar) — kein Fasten
  • Die Woche des Zöllners und Pharisäers (zweite Woche vor der Großen Fastenzeit) — kein Fasten
  • Die Butterwoche (Maslennitsa) — kein Fasten, aber auch kein Fleisch

FAQ — Häufig gestellte Fragen zum orthodoxen Fasten

Wie viele Tage pro Jahr fasten die Orthodoxen?

Addiert man die vier großen Fastenzeiten (etwa 115 Tage) und die Mittwoche und Freitage außerhalb der Fastenbrechwochen (etwa 104 Tage), fastet ein Orthodoxer, der das Typikon vollständig einhält, etwa 180 bis 200 Tage pro Jahr — fast die Hälfte des Jahres. Das ist die anspruchsvollste asketische Disziplin des gesamten Christentums.

Darf man während der Großen Fastenzeit Fisch essen?

Fisch ist während der Großen Fastenzeit nur an zwei Tagen erlaubt: am 25. März (Verkündigung an die Gottesmutter) und am Palmsonntag. Diese beiden Feste sind so bedeutend, dass sie selbst das strengste Fasten des Jahres mildern.

Dürfen Orthodoxe während des Weihnachtsfastens Milchprodukte essen?

Nein. Anders als der katholische oder evangelische Advent verbietet das orthodoxe Weihnachtsfasten Milchprodukte, Eier und Fleisch vom ersten Tag an. Das ist oft eine überraschende Entdeckung für diejenigen, die nur die westliche Tradition kennen.

Was ist der Unterschied zwischen der Großen Fastenzeit und dem Entschlafungsfasten?

Ihre Strenge ist identisch — sie sind die beiden strengsten Fasten des Jahres. Der Unterschied liegt in der Dauer (40 Tage gegenüber 14) und in der geistlichen Tonlage: Die Große Fastenzeit bereitet in einem Geist der Buße und Reue auf Ostern vor; das Entschlafungsfasten bereitet in einem Geist der Fürbitte auf das Fest der Gottesmutter vor, getragen jeden Abend durch die Paraklese.

Wann beginnt die orthodoxe Große Fastenzeit jedes Jahr?

Die Große Fastenzeit beginnt stets am Reinen Montag, sieben Wochen vor dem orthodoxen Osterfest. Ihr Datum variiert daher jedes Jahr je nach dem Osterdatum — es kann zwischen Anfang Februar und Mitte März fallen. Die genauen Termine für die kommenden Jahre sind in unserem vollständigen Leitfaden zur Großen Fastenzeit aufgeführt.

Ist das Apostelfasten verpflichtend?

Alle orthodoxen Fasten sind von der Kirche vorgeschrieben, aber ihre praktische Einhaltung liegt im Gewissen des Einzelnen unter der Führung eines geistlichen Vaters. Das Apostelfasten wird historisch am wenigsten streng eingehalten — teils weil es im Sommer fällt, teils weil seine sehr variable Dauer (manchmal auf einen einzigen Tag reduziert) ihm einen weniger strukturierenden Charakter verleiht. Gleichwohl hat es eine eigene geistliche Bedeutung — die Vorbereitung auf die apostolische Mission — die anerkannt werden sollte, auch wenn die Einhaltung leichter ist.

Darf man während des orthodoxen Fastens Alkohol trinken?

Wein gilt als Dispens und ist samstags und sonntags (und je nach Fastenzeit manchmal dienstags und donnerstags) generell erlaubt. Hochprozentige Alkoholika sind im traditionellen Typikon nicht eigens geregelt, aber der Geist des Fastens setzt offensichtlich Nüchternheit voraus. In der Praxis enthalten sich viele Orthodoxe während der ernstesten Fastenzeiten jedes Alkohols.

Das Fasten als geistliche Lebenskunst

Die vier großen orthodoxen Fastenzeiten sind keine von außen aufgezwungenen Beschränkungen — sie sind die Herzschläge des Kirchenjahres. Sie schaffen einen Rhythmus des Wechsels zwischen Anstrengung und Fest, zwischen Nüchternheit und Freude, der eines der unverwechselbarsten und schönsten Merkmale des orthodoxen christlichen Lebens ist.

Für denjenigen, der sie vollständig lebt, verwandeln diese vier Fastenzeiten die Wahrnehmung der Zeit tiefgreifend: Jede Jahreszeit des Jahres trägt eine geistliche Farbe, jede Mahlzeit eine Bedeutung, jedes Fest einen Geschmack, der umso intensiver ist, als er von einer Erwartung und einer Anstrengung vorangegangen wurde. In Deutschland, wo die orthodoxen Gemeinden ihr Fastenleben ohne den Rückhalt einer orthodoxen Mehrheitskultur oder staatlicher Feiertage führen, trägt dieses Fasten eine besondere Würde: Man fastet nicht aus gesellschaftlichem Druck, sondern aus Überzeugung — und diese Freiheit ist selbst ein Zeugnis.

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