Orthodoxer Kalender: Julianisch und Gregorianisch Erklärt
Nutzen Sie das Werkzeug oben, um ein beliebiges Datum zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender umzurechnen, oder um die orthodoxen Feste dieses Jahres in beiden Kalendern nachzuschlagen. Im Folgenden erklären wir, warum orthodoxe Christen gleichzeitig zwei Kalender verwenden, warum Weihnachten je nach besuchter Gemeinde an zwei verschiedenen Tagen gefeiert wird, und warum Ostern das eine Datum ist, auf das sich alle einigen, unabhängig davon, welchem Kalender ihre Gemeinde folgt.
Zwei Kalender, eine Kirche
Manche orthodoxen Christen feiern Weihnachten am 25. Dezember. Andere feiern es am 7. Januar. Es ist dasselbe Fest — sie verwenden lediglich zwei verschiedene Kalender. Keine der beiden Gruppen liegt falsch, und dieser Unterschied trennt die Kirche in keiner Weise sakramental: Ein Orthodoxer aus einer Gemeinde, die einem Kalender folgt, kann in einer Gemeinde, die dem anderen folgt, ohne theologisches Hindernis die Kommunion empfangen. Was zunächst wie eine verwirrende Unstimmigkeit wirkt, ist in Wirklichkeit nur das Nebeneinander zweier Verwaltungssysteme innerhalb ein und derselben Kirche.
Warum besteht dieser Unterschied von 13 Tagen?
Der julianische Kalender, von Julius Cäsar 45 v. Chr. eingeführt, war über sechzehn Jahrhunderte lang der maßgebliche Kalender der christlichen Welt. Sein einziger Mangel liegt in einem kleinen Rechenfehler: Er fügt ausnahmslos alle vier Jahre einen Schalttag hinzu, was geringfügig zu großzügig ist. Das julianische Jahr ist gegenüber dem tatsächlichen Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang — ein winziger Unterschied, der sich jedoch unaufhaltsam summiert, im Schnitt um einen vollen Tag alle 128 Jahre.
Im 16. Jahrhundert war diese Abweichung bereits mehr als sieben Tage groß und damit nicht mehr zu übersehen: Das Frühlingsäquinoktium, das der julianische Kalender auf den 21. März festlegte, hatte sich merklich von der astronomischen Wirklichkeit entfernt. 1582 korrigierte Papst Gregor XIII. den Kalender, indem er zehn Tage auf einen Schlag ausließ (auf Donnerstag, den 4. Oktober, folgte sogleich Freitag, der 15. Oktober) und die Schaltjahrregel verbesserte, um weiteres Abdriften zu verhindern. Das katholische Europa übernahm diesen gregorianischen Kalender rasch. Die protestantischen Länder folgten langsamer — die lutherischen und calvinistischen Staaten 1700, die anglikanischen 1752. Die orthodoxen Länder warteten noch länger: Russland führte den gregorianischen Kalender auf staatlicher Ebene erst 1918 ein (nach der Revolution — daher das bekannte Paradox der „Oktoberrevolution", die nach heutigem bürgerlichem Kalender im November stattfand), Griechenland erst 1923.
Der Abstand zwischen den beiden Kalendern ist nicht fest: Er wächst etwa alle hundert Jahre um einen weiteren Tag, im gleichen Rhythmus wie diese julianische Abweichung. 1582 betrug er 10 Tage, 1700 waren es 11, 1800 dann 12, 1900 schließlich 13 — und seit März 1900 bis zum 28. Februar 2100 bleibt er bei 13 Tagen, danach wächst er auf 14.
Warum hat die orthodoxe Kirche nicht einfach den Kalender gewechselt?
Die orthodoxe Kirche bestritt nicht die astronomische Genauigkeit des gregorianischen Kalenders — diese Berechnung stellt niemand in Frage. Der Einwand betraf etwas viel Spezifischeres: das Osterdatum. Das Erste Ökumenische Konzil von Nizäa im Jahr 325 hatte, um die Einheit aller Kirchen zu sichern, die Berechnungsmethode für Ostern festgelegt und sie am julianischen Frühlingsäquinoktium verankert. Die gregorianische Berechnungsmethode zu übernehmen hätte Ostern gelegentlich mit dem jüdischen Pessachfest zusammenfallen lassen, oder sogar davor — ein Ergebnis, das die alten Kanones ausdrücklich verbieten. Statt dieses Risiko einzugehen, behielt die orthodoxe Kirche die alte Osterberechnung bei, während sie weiter darüber debattierte, was mit dem übrigen Kalender geschehen solle.
Der Kompromiss von 1923 — und warum er nur die Hälfte des Problems löste
Im Mai 1923 schlug ein Kongress orthodoxer Kirchen in Konstantinopel, unter der Leitung des Patriarchen Meletios IV., einen Kompromiss vor: den nach ihm benannten meletianischen oder auch neujulianischen Kalender, ausgearbeitet vom serbischen Wissenschaftler Milutin Milanković. Seine Schaltjahrregel ist präziser als die des ursprünglichen julianischen Kalenders und macht ihn seit 1900 mathematisch identisch mit dem gregorianischen Kalender — und das bleibt er bis zum Jahr 2800. Die Idee war, diesen korrigierten Kalender für die unbeweglichen Feste zu verwenden — Weihnachten, Theophanie, Verkündigung —, während für Ostern und die davon abhängigen beweglichen Feste (Palmsonntag, Pfingsten, der Beginn der Großen Fastenzeit) weiterhin die alte julianische Osterrechnung galt, genau wie zuvor.
Manche Kirchen übernahmen diesen Kompromiss. Andere nicht. Heute gilt:
- Kirchen, die den neujulianischen Kalender für die unbeweglichen Feste nutzen — das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, Griechenland, Zypern, Rumänien, Bulgarien — feiern Weihnachten am 25. Dezember, am selben Tag wie die westlichen Christen.
- Kirchen, die für sämtliche Feste beim julianischen Kalender geblieben sind — Jerusalem, Russland, Serbien, Georgien — feiern Weihnachten am 25. Dezember nach ihrem eigenen Kalender, was nach gregorianischer Zählung derzeit dem 7. Januar entspricht.
Und entscheidend: Mit Ausnahme Finnlands berechnen praktisch alle orthodoxen Kirchen Ostern weiterhin nach der alten julianischen Osterrechnung. Genau dieses Detail löst den größten Teil der Verwirrung auf: Die Spaltung von 1923 betraf nur die unbeweglichen Feste, niemals die Osterberechnung selbst. Ob man sich in einer griechischen Gemeinde in Athen, einer serbischen in Belgrad oder einer russischen in Moskau befindet — orthodoxes Ostern fällt für alle auf dasselbe Datum, jedes Jahr. Und dieses Datum unterscheidet sich häufig vom westlichen Ostern, manchmal um bis zu fünf Wochen, weil die beiden Berechnungsmethoden mathematisch tatsächlich verschieden sind — nicht bloß um 13 Tage versetzt. Das julianische Frühlingsäquinoktium (im eigenen Kalender auf den 21. März festgelegt) entspricht heute dem 3. April gregorianisch, nicht dem 21. März: Genau dieser doppelte Versatz — der des Äquinoktiums und der des darauffolgenden Vollmonds — lässt den Abstand zwischen den beiden Osterfesten je nach Jahr zwischen einer einzigen Woche und vollen fünf Wochen schwanken.
Welchem Kalender folgt meine Gemeinde?
Das hängt ausschließlich von der Jurisdiktion ab, nicht von einer angeblichen theologischen Überlegenheit eines Kalenders gegenüber dem anderen. Wer eine unbekannte Gemeinde besucht, sollte sich vorab erkundigen, welchem Kalender sie folgt — einfach, um kein Fest zu verpassen oder anzunehmen, ein Fasten sei bereits beendet, obwohl es das nicht ist. Eine kleine Zahl von Gemeinschaften, die Altkalendarier, betrachtet die Kalenderfrage als Kriterium der Rechtgläubigkeit und hat deswegen die Gemeinschaft mit ihrer Mutterkirche aufgekündigt — dies ist jedoch eine sehr kleine Minderheitsposition, nicht die vorherrschende Haltung. Für die überwiegende Mehrheit der Orthodoxen bleibt dieser Kalenderunterschied eine praktische Tatsache des Alltags, keine theologische Bruchlinie.
Häufig gestellte Fragen
Ist der julianische Kalender „falsch" und der gregorianische „richtig"?
Astronomisch betrachtet ja, der gregorianische Kalender folgt dem Sonnenjahr genauer. Doch das Festhalten der orthodoxen Kirche am julianischen Kalender für die Osterberechnung ist keine wissenschaftliche Position, sondern eine kanonische — verwurzelt in der Bewahrung der beim Ersten Ökumenischen Konzil festgelegten Berechnungsmethode, nicht in einer Aussage über die Überlegenheit des einen oder anderen Kalenders.
Wird orthodoxes Weihnachten irgendwann überall auf den 25. Dezember fallen?
Die Kirchen, die dem neujulianischen Kalender folgen, feiern Weihnachten bereits am 25. Dezember, genau wie im Westen, und diese Übereinstimmung gilt bis zum Jahr 2800. Die Kirchen, die noch beim julianischen Kalender sind, müssten selbst entscheiden, die überarbeitete Fassung zu übernehmen — nichts deutet darauf hin, dass Russland oder Jerusalem dies in naher Zukunft erwägen.
Warum fällt orthodoxes Ostern manchmal mit dem westlichen Ostern zusammen, und manchmal nicht?
Beide Traditionen wenden dieselbe von Nizäa überlieferte Grundregel an — Ostern ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsäquinoktium —, berechnen Äquinoktium und Vollmond jedoch anhand unterschiedlicher Kalender. In manchen Jahren treffen sich beide Berechnungen zufällig auf denselben Sonntag. In den meisten Jahren nicht, und das orthodoxe Datum fällt ein bis fünf Wochen nach dem westlichen, da orthodoxes Ostern nach den alten Kanones niemals vor dem jüdischen Pessach liegen darf.
Beeinflusst dieser Kalenderunterschied die Kommunion zwischen Orthodoxen?
Nein. Orthodoxe Christen bleiben untereinander in voller Kommunion, unabhängig davon, welchem Kalender ihre Gemeinde folgt. Es handelt sich um eine rein verwaltungstechnische Spaltung, niemals um eine sakramentale oder dogmatische.
Um zu sehen, wie sich dies über das gesamte Kirchenjahr auswirkt, lesen Sie unseren Leitfaden zu den großen orthodoxen Festen sowie unseren Leitfaden zur orthodoxen Karwoche Tag für Tag.