La Philocalie : histoire, contenu et spiritualité du grand livre orthodoxe de la prière

Die Philokalie: Geschichte, Inhalt und Spiritualität des großen orthodoxen Gebetsbuchs

Lesezeit: 10 Minuten

Kurz zusammengefasst: Die Philokalie (Philokalia auf Griechisch — „Liebe zur Schönheit") ist das große Werk der hesychastischen orthodoxen Spiritualität, zusammengestellt im 18. Jahrhundert von Nikodemos Hagioreites und Makarios von Korinth. Sie versammelt patristiche Texte vom 4. bis zum 15. Jahrhundert über das Jesusgebet, die Herzensreinigung und die Vergöttlichung des Menschen. In der orthodoxen Welt bekannt geworden durch die Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers, ist sie heute auf Deutsch zugänglich und das grundlegende Referenzwerk der gesamten hesychastischen Überlieferung.

Es gibt ein Buch, das das geistliche Leben von Millionen orthodoxer Christen verändert hat, ohne je Schlagzeilen gemacht zu haben. Ein Buch, das 1782 in Venedig erschien, von einem moldauischen Mönch ins Kirchenslawische übersetzt wurde, im Zarenreich kursierte und dem Westen durch einen rätselhaften anonymen Pilger bekannt wurde. Wie Orthpedia, das deutschsprachige orthodoxe Online-Lexikon, es treffend fasst: „Die Philokalie gibt die Erfahrung der orthodoxen Asketen auf ihrem Wege zur Vereinigung mit Gott wider." Dieses Buch ist die Philokalie — und für die orthodoxen Geistesväter ist es nach der Bibel und den Kirchenschriften das bedeutendste Werk der östlichen mystischen Tradition.

Was ist die Philokalie?

Die Philokalie (φιλοκαλία auf Griechisch) bedeutet wörtlich „Liebe zur Schönheit" — nicht zur sinnlichen Schönheit, sondern zur göttlichen Schönheit, die mit dem Wahren und dem Guten zusammenfällt. Auf Deutsch könnte man sie auch als „Väterantologie des Hesychasmus" bezeichnen — wie das Orthodoxe Forum Deutschland es formuliert.

Es handelt sich um eine Sammlung byzantinischer Geistestexte, geschrieben zwischen dem 4. und dem 15. Jahrhundert, über das innere Gebet, die Reinigung der Leidenschaften, die Herzenswachheit (Nepsis) und die Vergöttlichung (Theosis) des Menschen in Gott.

Die Philokalie ist keine systematische Theologie und kein Meditationshandbuch. Sie ist eine Schule — eine Abfolge von Geistesvätern, die von Generation zu Generation die Kunst des christlichen inneren Lebens weitergeben. Jeder Autor steht in einer lebendigen Tradition, empfangen von einem geistlichen Vater und weitergegeben an geistliche Söhne. Die Philokalie zu lesen bedeutet, in diese ununterbrochene Weitergabe von den Wüstenvätern bis heute einzutreten.

Die Philokalie ist der Ausdruck der hesychastischen Überlieferung (vom Griechischen hesychia — Stille, innere Ruhe, Gelassenheit). Wie orthodoxie-in-deutschland.de festhält: „Der Hesychasmus ist für die patristisch denkenden Orthodoxen die Voraussetzung zur Teilnahme an den Sakramenten und der kirchlichen Theologie." Die Philokalie ist damit kein Randdokument — sie ist das Herzstück der orthodoxen Spiritualität.

Wer hat die Philokalie zusammengestellt und wann?

Die Philokalie in ihrer klassischen Form wurde von zwei großen griechischen Geistesmännern des 18. Jahrhunderts zusammengestellt und herausgegeben:

  • Der heilige Nikodemos Hagioreites (1749–1809) — Athosmönch, außerordentlicher Gelehrter, 1955 vom Ökumenischen Patriarchat heiliggesprochen. Er hat die Texte gesammelt, herausgegeben und mit Einleitungen und Anmerkungen versehen. Er gehört zur Bewegung der Kollybaten — einem Erneuerungsbewegung auf dem Heiligen Berg Athos im 18. Jahrhundert, die für eine Rückkehr zur patristischen Theologie und zur häufigen Kommunion eintrat.
  • Der heilige Makarios von Korinth (1731–1805) — Bischof von Korinth, Mitherausgeber der Philokalie, bedeutende Gestalt der griechischen geistlichen Erneuerung des 18. Jahrhunderts.

Die erste Ausgabe erscheint 1782 in Venedig — in fünf Bänden, auf Griechisch, unter dem vollständigen Titel Philokalie der heiligen Nüchternen (von griechisch Nepsis: Wachheit, geistliche Nüchternheit). Venedig war zu dieser Zeit der wichtigste Druckort für die griechisch-orthodoxe Gemeinschaft des Westens.

Die Philokalie vor der Philokalie: die Vorläufer

Die Philokalie von 1782 ist nicht aus dem Nichts entstanden. Sie kodifiziert und versammelt eine geistliche Tradition, die bis zu den Ursprüngen des christlichen Mönchtums zurückreicht:

  • 4.–5. Jahrhundert — die Wüstenväter: Evagrios Pontikos (346–399) ist der Erste, der die Nepsis (Wachheit) und den Kampf gegen die Logismoi (Gedanken) systematisch ausarbeitet.
  • 6. Jahrhundert — Johannes Klimakos: Abt des Sinaïklosters, seine Himmelsleiter ist eine systematische Einführung in das geistliche Leben; eng mit der philokalischen Überlieferung verbunden.
  • 14. Jahrhundert — Gregor Palamas: der große Verteidiger des Hesychasmus, dessen Sieg auf den Konzilien von Konstantinopel (1341, 1347, 1351) den Hesychasmus zur offiziellen Lehre der orthodoxen Kirche macht. Seine Triaden zur Verteidigung der heiligen Hesychasten sind das theologische Fundament der Philokalie.

Die Weitergabe der Philokalie: von Venedig in die slawische Welt

Das entscheidende Ereignis bei der Verbreitung der Philokalie ist ihr Übergang vom Griechischen in die slawische Welt, bewirkt von einem der größten Reformatoren des orthodoxen Mönchtums:

Der heilige Paisij Veličkovskij (1722–1794) — ukrainischer Mönch, auf dem Athos gebildet, Gründer großer Klostergemeinschaften in der Moldau (Dragomirna, Secu, Neamț). Er ist es, der die Philokalie ins Kirchenslawische übersetzt und sie 1793 in Sankt Petersburg unter dem Titel Dobrotoliubie (wörtlich: „Liebe zur Güte") veröffentlicht. Diese Übersetzung löst eine außerordentliche geistliche Erneuerung im russischen Mönchtum des 19. Jahrhunderts aus: die großen Starzeny von Optina Pustyn' (Leonid, Makarios, Ambrosius) sind ihre unmittelbaren Erben.

Im 19. Jahrhundert übersetzt und erweitert der heilige Theophan der Klausner (1815–1894) — russischer Bischof im Klosterleben — die Philokalie auf modernes Russisch in fünf Bänden, für Laien zugänglich gemacht und um in der griechischen Fassung fehlende Texte ergänzt.

Der Inhalt der Philokalie: wer sind die Autoren?

Die griechische Philokalie von 1782 enthält Texte von 36 Autoren, die sich vom 4. bis zum 15. Jahrhundert erstrecken. Zu den bedeutendsten gehören:

  • Antonius der Große (4. Jh.) — Briefe über das geistliche Leben und die Selbsterkenntnis
  • Markus der Mönch (5. Jh.) — Abhandlungen über das geistliche Gesetz und die Buße
  • Hesychios vom Sinai (5.–6. Jh.) — der große Meister der Nepsis: seine Abhandlung über die Nüchternheit und das Gebet ist einer der dichtesten und praktischsten Texte der Philokalie
  • Maximus der Bekenner (580–662) — die Hundert Kapitel über die Liebe: eines der großen Werke der orthodoxen mystischen Theologie über die vollkommene Liebe als Gipfel des geistlichen Lebens
  • Symeon der Neue Theologe (949–1022) — glühender Mystiker des göttlichen Lichts und der persönlichen Gotteserfahrung
  • Nikephoros der Hesychast (13. Jh.) — der Erste, der eine leibliche Übung für das Herzensgebet beschreibt; aus dem Anthrowiki bereits zitiert
  • Gregor vom Sinai (1255–1346) — der große Weitergeber des Hesychasmus vom Sinai auf den Berg Athos
  • Gregor Palamas (1296–1359) — der Theologe der Erfahrung des ungeschaffenen Lichts
  • Nikolaos Kabasilas (1322–1397) — der bemerkenswerte Fall eines hesychastischen Laien, kaiserlicher Berater in Byzanz, dessen Das Leben in Christus zeigt, dass der Weg der Vergöttlichung allen Getauften offensteht
  • Isaak von Ninive (Isaak der Syrer, 7. Jh.) — seine Texte über Stille und inneres Gebet finden sich in manchen Ausgaben und sind auf dem deutschen Orthodoxen Forum besonders erwähnt

Die Philokalie auf Deutsch

Auf Deutsch ist die Philokalie über mehrere Zugänge verfügbar:

  • Die vollständige deutsche Ausgabe — nach Angaben des Orthodoxen Forums Deutschland kostet die vollständige Ausgabe derzeit rund 250 Euro und hat bei ihren Lesern einen wohlverdienten „Ehrenplatz" bekommen. Sie richtet sich an ernsthafte Leser, die sich in die Tradition vertiefen wollen.
  • Die Kleine Philokalie — eine zugänglichere Auswahl der wichtigsten Texte; nach Ansicht des Orthodoxen Forums Deutschland besonders für Laien geeignet: „die Kleine Philokalie ist... mehr für uns Weltliche geeignet. Man muss ja nicht gleich übertreiben." Ein weiser Ratschlag für Einsteiger.
  • Higoumen Chariton von Valaam, Die Kunst des Gebets (Editions de Bellefontaine; auch auf Deutsch erhältlich) — thematische Anthologie über das Herzensgebet, hauptsächlich aus russischen Quellen der philokalischen Tradition.
  • Der Schmale Pfad — die Zeitschrift und Buchreihe des Klosters des heiligen Hiob von Počaev in München enthält regelmäßig philokalische Texte und Kommentare in deutscher Übersetzung; eine der wichtigsten deutschsprachigen Quellen für orthodoxe Geistesliteratur.

Die Philokalie und das Jesusgebet

Die Philokalie ist vom Jesusgebet nicht zu trennen. In ihren Seiten wurde die Tradition des Herzensgebets — „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders" — theoretisch begründet, verteidigt und weitergegeben. Alle bedeutenden Autoren der Philokalie sprechen über dieses Gebet — Hesychios über die Wachheit, Nikephoros über die leibliche Methode, Gregor Palamas über das ungeschaffene Licht, Symeon der Neue Theologe über die mystische Erfahrung.

Es ist auch die Philokalie, die im Mittelpunkt der Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers steht — des großen klassischen Textes der orthodoxen Pilgerschaft des 19. Jahrhunderts. Der anonyme Pilger entdeckt die Philokalie zu Beginn seiner Reise und macht sie zu seinem geistlichen Wegbegleiter: durch sie lernt er das unaufhörliche Gebet und erfährt seine Früchte. Die orthodoxe Gebetskette — die Tschotki — ist das konkrete Werkzeug, mit dem Laien das Jesusgebet der Philokalie üben können, ohne Mönch zu sein.

Ist die Philokalie nur für Mönche?

Nein — und das ist einer der wichtigsten Punkte. Wenn die Philokalie auch im monastischen Umfeld entstanden ist und ihre Texte sich zunächst an Mönche richten, lehrt die orthodoxe Tradition, dass der hesychastische Weg nicht den Mönchen vorbehalten ist. Nikodemos Hagioreites selbst hat durch seine Herausgabe der Philokalie „einen maßgeblichen Beitrag zur Verbreitung des Hesychasmus außerhalb des Mönchtums und zur Verwurzelung hesychastischer Ideen in weiten Laienkreisen im 19. Jahrhundert" geleistet — wie die deutsche Wikipedia festhält. Theophan der Klausner hat im 19. Jahrhundert die Philokalie für Laien zugänglich gemacht. Und die Aufrichtigen Erzählungen haben es der ganzen Welt gezeigt: ein einfacher Laie kann das Jesusgebet der Philokalie im Alltag üben.

Orthpedia bringt es auf den Punkt: „Die Philokalie bietet Nahrung für den Anfänger wie für den Fortgeschrittenen. Jeder wird in ihr das finden, worauf sein Herz anspricht."

Die monastische Überlieferung, die die Philokalie bewahrt und weitergegeben hat, lebt auch in Deutschland weiter — unter anderem im Kloster des heiligen Hiob von Počaev in München.

FAQ — Häufige Fragen zur Philokalie

Was ist die orthodoxe Philokalie?

Die Philokalie ist eine Sammlung byzantinischer Geistestexte, zusammengestellt im 18. Jahrhundert von Nikodemos Hagioreites und Makarios von Korinth. Sie versammelt 36 Autoren vom 4. bis zum 15. Jahrhundert über das innere Gebet, die Nepsis (Herzenswachheit) und die Vergöttlichung. Sie ist das Referenzwerk der hesychastischen orthodoxen Überlieferung.

Was bedeutet das Wort „Philokalie"?

Philokalie kommt vom Griechischen philos (Liebe) und kalos (schön, gut). Es bedeutet wörtlich „Liebe zur Schönheit" — der göttlichen Schönheit, die untrennbar vom Wahren und Guten ist. Das Orthodoxe Forum Deutschland bezeichnet sie treffend als „Väterantologie des Hesychasmus".

Wo findet man die Philokalie auf Deutsch?

Die vollständige deutsche Ausgabe ist beim Kloster des heiligen Hiob von Počaev in München erhältlich (rund 250 Euro). Für Einsteiger empfiehlt das Orthodoxe Forum Deutschland die Kleine Philokalie als zugänglicheren Einstieg. Die Zeitschrift Der Schmale Pfad enthält regelmäßig philokalische Texte auf Deutsch.

Muss man Mönch sein, um die Philokalie zu lesen?

Nein — die Philokalie wendet sich an jeden Getauften, der sein Gebetsleben vertiefen will. Nikolaos Kabasilas im 14. Jahrhundert und Theophan der Klausner im 19. Jahrhundert haben gezeigt, dass der hesychastische Weg für alle offen ist. Die Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers haben den anschaulichsten Beweis geliefert: ein einfacher Laie kann das Jesusgebet der Philokalie im Alltag üben.

Was ist der Zusammenhang zwischen der Philokalie und dem Jesusgebet?

Die Philokalie ist das Buch, das die Praxis des Jesusgebets in der orthodoxen Überlieferung theoretisch begründet, verteidigt und weitergegeben hat. Alle ihre Autoren sprechen über dieses Gebet — „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders" — als den königlichen Weg zur Gegenwart Gottes. Unser vollständiger Leitfaden zum Jesusgebet erklärt diese Praxis ausführlich.

Was ist der Zusammenhang zwischen der Philokalie und dem Berg Athos?

Der Berg Athos ist die Wiege der Philokalie: dort hat Nikodemos Hagioreites gelebt und die Texte zusammengestellt, und in den Athosklöstern wird die hesychastische Überlieferung, die sie weitergibt, seit dem 14. Jahrhundert ohne Unterbrechung gelebt. Heute ist der Athos der Ort, wo die Philokalie gelebt wird, nicht nur gelesen. Unser Leitfaden zur orthodoxen Pilgerreise stellt den Berg Athos und die Anreise aus dem deutschsprachigen Raum vor.

Gibt es eine Verbindung zwischen der Philokalie und dem deutschen Sprachraum?

Ja — über mehrere Wege. Das Kloster des heiligen Hiob von Počaev in München ist das wichtigste orthodox-monastische Zentrum im deutschsprachigen Raum und pflegt die philokalische Überlieferung aktiv durch seine Publikationen (Der Schmale Pfad). Bischof Kallistos Ware — der Übersetzer der Philokalie ins Englische und bekannteste orthodoxe Theologe im Westen — war auch im deutschsprachigen Raum sehr einflussreich durch Vorträge und Übersetzungen. Und die rumänisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland (Berlin, München, Stuttgart) tragen die lebendige philokalische Tradition mit, die durch die Stăniloae-Übersetzung ins Rumänische — ein Meisterwerk der orthodoxen Literatur des 20. Jahrhunderts — geprägt wurde.

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