Es gibt etwas Paradoxes am Entschlafungsfasten. Es ist das kürzeste der vier großen orthodoxen Fasten — nur vierzehn Tage. Und doch ist es eines der zwei strengsten des Jahres, in seiner Askese der Großen Fastenzeit ebenbürtig. Es ist ein Sommerfahsten, mitten im August, wenn die Natur auf dem Höhepunkt ihrer Wärme und Fülle steht. Und es bereitet ein Fest vor, das die orthodoxe Überlieferung das „Ostern des Sommers" nennt — die Entschlafung der Gottesmutter, das größte der Marienfeste. Vierzehn Tage intensiver Nüchternheit, um die größte marianische Freude zu erreichen: das ist die Logik des Entschlafungsfastens.
Dieser Leitfaden stellt das Entschlafungsfasten in seiner Gesamtheit vor: seine festen Termine, seine historischen Ursprünge, seine theologische Bedeutung, den ihm eigenen Gottesdienst (die Paraklese), seine detaillierten Fastenregeln und den besonderen Kontext, in dem es in Deutschland gelebt wird — einem Land, in dem der 15. August kein gesetzlicher Feiertag ist, aber die orthodoxen Gemeinden dennoch eine der lebendigsten Marientraditionen Europas pflegen.
Inhaltsverzeichnis
- Termine und Struktur des Entschlafungsfastens
- Historische Ursprünge: ein Fasten mit alten Wurzeln
- Die theologische Bedeutung: das „Ostern des Sommers" vorbereiten
- Die Paraklese: der eigene Gottesdienst des Entschlafungsfastens
- Der 6. August: die Verklärung im Herzen des Fastens
- Der 15. August: die Entschlafung der Gottesmutter
- Die Fastenregeln im Detail
- Das Entschlafungsfasten in Deutschland: fasten ohne Feiertag
- FAQ — Häufig gestellte Fragen zum Entschlafungsfasten
Termine und Struktur des Entschlafungsfastens
Das Entschlafungsfasten ist eines der zwei festen großen Fasten des orthodoxen Jahres — seine Daten ändern sich nie. Es beginnt stets am 1. August und endet am 14. August am Abend, dem Vorabend des Entschlafungsfestes.
| Kalender | Beginn | Ende | Fest der Entschlafung | Dauer |
|---|---|---|---|---|
| Revidierter julianischer Kalender (griechisch, rumänisch, antiochenisch…) |
1. August | 14. August abends | 15. August | 14 Tage |
| Julianischer Kalender (russisch, serbisch, georgisch…) |
13. August (gregorianisch) | 27. August abends (gregorianisch) | 28. August (gregorianisch) | 14 Tage |
Das Entschlafungsfasten wird von zwei großen Herrenfesten eingerahmt, die in seine Periode fallen oder an ihren Grenzen stehen:
- 1. August: Fest der Prozession des Ehrwürdigen Kreuzes — besonders in den slawischen Überlieferungen gefeiert, mit einer Wasserweihe durch das Kreuz als Einstieg in das Fasten
- 6. August: Fest der Verklärung des Herrn — der einzige Tag mit Fischdispens während des gesamten Fastens
- 15. August: Fest der Entschlafung der Gottesmutter — das Fest, das das gesamte Fasten krönt und begründet
Historische Ursprünge: ein Fasten mit alten Wurzeln
Das Entschlafungsfasten gehört zu den orthodoxen Fasten mit der komplexesten Geschichte. Anders als die Große Fastenzeit, deren Wurzeln mit bemerkenswerter Kohärenz bis in die ersten Jahrhunderte des Christentums reichen, hat das Entschlafungsfasten sehr unterschiedliche Formen in verschiedenen Kirchen und Epochen gekannt, bevor es sich in seiner heutigen Form gefestigt hat.
Variable Ursprünge je nach Kirche
Die ersten Erwähnungen eines Augustfastens im Zusammenhang mit der Entschlafung reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Doch zu dieser Zeit waren weder die Jahreszeit noch die Dauer von Kirche zu Kirche gleich: ein Tag in Antiochien, vier Tage in Konstantinopel, acht Tage in Jerusalem. Einige fasteten im August, andere im September, einige Kirchen fasteten gar nicht, weil sie die Entschlafung als Gelegenheit zu großen Festfeiern betrachteten. Dieses fragmentarische Bild zeigt, wie sehr dieses Fasten aus einer schrittweisen lokalen Frömmigkeit heraus entstanden ist, nicht aus einem universalen Erlass.
Das Konzil von Konstantinopel 1166
Es war das Konzil von Konstantinopel von 1166 unter Patriarch Lukas Chrysoberges, das die Dauer von zwei Wochen für das Entschlafungsfasten endgültig festlegte und es für die gesamte byzantinische Kirche vereinheitlichte. Ab diesem Zeitpunkt wird das Fasten vom 1. bis 14. August zur Norm für alle Kirchen des byzantinischen Ritus — eine relativ späte Entscheidung in der orthodoxen Liturgiegeschichte, was die Vielfalt der Praktiken in den vorangegangenen Jahrhunderten erklärt.
Ein doppeltes Fasten?
Manche betrachten dieses Fasten als doppelt: auf die Verklärung hin und auf die Entschlafung hin. Wir bereiten so zwei Feste vor: dasjenige, das uns das Licht schenkt, und dasjenige, das die göttliche Barmherzigkeit uns gegenüber offenbart. Diese doppelte Lesart ist theologisch reich: Das vierzehntägige Fasten wird in seiner Mitte von der Verklärung (6. August) durchquert — dem großen Lichtfest — und endet mit der Entschlafung (15. August), dem großen Fest der Barmherzigkeit und des Übergangs. Das Fasten ist so von zwei verschiedenen Gottesoffenbarungen eingerahmt: seiner verklärenden Herrlichkeit und seiner mütterlichen Zärtlichkeit.
Die theologische Bedeutung: das „Ostern des Sommers" vorbereiten
Das Entschlafungsfasten bereitet das vor, was die orthodoxe Überlieferung das „Ostern des Sommers" nennt. Warum dieser Name? Und was bedeutet theologisch die Entschlafung, auf die dieses Fasten vorbereitet?
Die Entschlafung als marianisches Ostern
Die Entschlafung der Gottesmutter ist keine Trauer — sie ist ein Übergang. Die orthodoxe Überlieferung lehrt, dass Maria einen wirklichen Tod gestorben ist, wie jeder Mensch, dass ihr Leib aber keine Verwesung kannte: Am dritten Tag nach ihrem Tod fanden die Apostel, die wunderbarerweise aus allen Teilen der Welt herbeigerufen worden waren, ihr Grab leer, mit Blumen gefüllt. Ihre Seele war in dem Augenblick ihres Todes von Christus selbst empfangen worden — die klassische Ikone der Entschlafung zeigt Christus, der die Seele Marias in Gestalt eines gewickelten Neugeborenen in den Armen hält, umgeben von allen Aposteln.
Dieses Geheimnis wird „Ostern des Sommers" genannt, weil es die Struktur des Osterfestes wiederholt: wirklicher Tod, leeres Grab, Auferstehung — aber erlebt von der Mutter des Auferstandenen. Die Entschlafung sagt, dass die Auferstehung Christi kein isoliertes Ereignis ist: Sie öffnet einen Weg, den die Seinen gehen können.
Warum ist dieses Fasten so streng wie die Große Fastenzeit?
Das Verhältnis zwischen der Strenge des Fastens und der Größe des Festes wird gewahrt: Ein Fest von der Bedeutung der Entschlafung verdient eine Vorbereitung von der Strenge der Großen Fastenzeit, auch wenn sie kürzer ist. Vierzehn Tage so streng wie die Große Fastenzeit für ein Fest, das „Ostern des Sommers" heißt: Die Logik ist die jeder großen Vigil in der orthodoxen Überlieferung — je größer das Licht, desto bedeutsamer die Dunkelheit, die ihm vorausgeht.
Die Paraklese: der eigene Gottesdienst des Entschlafungsfastens
Das Entschlafungsfasten ist das einzige der vier großen orthodoxen Fasten, das einen ihm vollständig eigenen liturgischen Gottesdienst besitzt: die Paraklese (auf Griechisch: Paraklèsis, „Flehen, Trost"). Dieser Gottesdienst wird jeden Abend während der vierzehn Tage des Fastens gesungen.
Was ist die Paraklese?
Die Paraklese ist ein Bittkanon an die Gottesmutter — ein ausgedehntes, poetisches und musikalisch schönes Gebet, in dem die Kirche ihre Leiden, Nöte und Ängste zu Füßen der Theotokos niederlegt und ihre Fürbitte erbittet. Sie existiert in zwei Versionen: die Kleine Paraklese (kürzer, dem Mönch Theostiriktos, 9. Jahrhundert, zugeschrieben) und die Große Paraklese (länger, Kaiser Theodoros II. Laskaris, 13. Jahrhundert, zugeschrieben). In der Praxis wechseln sich die beiden oft während der vierzehn Abende des Fastens ab.
Die Theologie der Paraklese
Die Paraklese drückt eine grundlegende theologische Überzeugung der Orthodoxie aus: Die Gottesmutter fürbittet für die Lebenden. Sie ist keine Gestalt der Vergangenheit, die für das geehrt wird, was sie vor zweitausend Jahren getan hat — sie ist eine lebendige Fürsprecherin, bei ihrem Sohn in der himmlischen Herrlichkeit gegenwärtig, die die Gebete ihrer Kinder hört und sie vor Gott trägt. Die Paraklese verwandelt die vierzehn Augustabende in eine Zeit kindlichen Vertrauens, das an diejenige gerichtet ist, die dem Sohn am nächsten ist.
Das zentrale Troparion der Paraklese fasst diese Theologie mit erstaunlicher Knappheit zusammen: „Übergib meine Bitten nicht den Menschen, o allheilige Mutter, sondern nimm mein Gebet an und gib mir, was ich brauche, denn du bist unsere einzige Hoffnung." Dieses Gebet, das zwei Wochen lang jeden Abend wiederholt wird, ist keine Formel — es ist eine Schule des Vertrauens in die Fürbitte der Theotokos.
Die Paraklese in deutschen orthodoxen Gemeinden
In den orthodoxen Gemeinden Deutschlands ist die abendliche Paraklese während des Entschlafungsfastens oft einer der bestbesuchten Wochengottesdienste des ganzen Jahres — besonders in griechischen Gemeinden, wo die Paraklese eine tief verwurzelte volksreligiöse Tradition darstellt, die viele Gläubige ansprechen, die sonst keine regelmäßigen Wochengottesdienste besuchen. In München, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf — Städten mit großen griechisch-orthodoxen Gemeinden, die seit den 1960er Jahren bestehen — ist die Paraklese im August ein Gemeinschaftserlebnis, bei dem die ältere Generation, die die Tradition aus Griechenland mitgebracht hat, auf jüngere Gemeindemitglieder trifft, die sie oft zum ersten Mal erleben.
Der 6. August: die Verklärung im Herzen des Fastens
Die Verklärung des Herrn, gefeiert am 6. August, fällt genau in die Mitte des Entschlafungsfastens — und sie ist der einzige Tag mit Fischdispens. Diese Position ist nicht zufällig: Sie sagt etwas Wichtiges über die geistliche Struktur des Fastens.
Die Verklärung ist das Fest, an dem Christus seine göttliche Natur vor Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg Tabor offenbart: „Sein Antlitz leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht" (Mt 17, 2). Es ist das Fest des Ungeschaffenen Lichts — des göttlichen Lichts, das nicht von dieser Welt ist, das die Apostel in Vorwegnahme der Auferstehung geschaut haben. Das Fasten bereitet zwei Feste vor: dasjenige, das uns das Licht schenkt, und dasjenige, das die göttliche Barmherzigkeit offenbart.
Die Verklärung sagt inmitten des Fastens: Du fastest nicht in der Dunkelheit — du fastest auf das Licht hin. Der Leib wird der Nahrung entzogen, damit die Seele fähig werde, das taborische Licht zu empfangen, das die Heiligen im Gebet schauen. Und die Fischdispens an diesem Tag ist die Art, wie die Kirche sagt: Freue dich, auch mitten in der Anstrengung — die Herrlichkeit ist bereits da.
Der 15. August: die Entschlafung der Gottesmutter
Das Entschlafungsfasten bereitet die Entschlafung der Gottesmutter vor, gefeiert am 15. August — das größte Marienfest des orthodoxen Kirchenjahres und eines der Zwölf Großen Feste des Dodekaorton.
Der Bericht der Entschlafung
Der Bericht der Entschlafung steht nicht in den kanonischen Evangelien — er gehört zur lebendigen Überlieferung der Kirche, weitergegeben durch alte apokryphe Texte (insbesondere den Transitus Mariae) und in Hymnen und Ikonographie entfaltet. Die Gottesmutter, durch den Erzengel Gabriel von ihrem bevorstehenden Tod unterrichtet, sammelt sich im Gebet. Die in alle Welt zerstreuten Apostel werden wundersam an ihr Krankenbett gerufen. Sie stirbt friedlich, ihre Seele von Christus selbst empfangen. Drei Tage später, als Apostel Thomas verspätet ankommt und um die Öffnung ihres Grabes bittet, wird es leer gefunden — mit Blumen gefüllt.
Die klassische Ikone der Entschlafung ist eine der theologisch dichtesten der gesamten orthodoxen Kunst: Die Gottesmutter liegt auf ihrem Totenbett, umgeben von allen Aposteln; in der Mitte steht der auferstandene Christus, der die Seele seiner Mutter in Gestalt eines in Weiß gewickelten Neugeborenen in den Armen hält — ein erschütterndes Bild, das das Motiv der Geburt umkehrt: Jetzt ist die Mutter das Kind in den Armen ihres Sohnes.
Entschlafung und Aufnahme: der orthodoxe Unterschied
In der orthodoxen Überlieferung liegt die Gottesmutter auf ihrem Sterbebett, umgeben von den Aposteln, und Christus empfängt ihre Seele wie ein Kind in Windeln. Die orthodoxe Überlieferung besteht auf dem wirklichen Tod Marias — sie ist wie jeder Mensch gestorben — bevor sie verherrlicht wurde. Es handelt sich nicht um eine leibseelische Entrückung wie in der katholischen Aufnahme, sondern um einen Übergang, der dem Weg ihres Sohnes folgt: Tod, dann Auferstehung. Maria ist bis zum Ende vollständig menschlich — und gerade deshalb ist ihre Verherrlichung eine konkrete Hoffnung für alle sterblichen Menschen.
Die Fastenregeln im Detail
Das Entschlafungsfasten beobachtet dieselben Regeln wie die Große Fastenzeit — mit einer Ausnahme: Fisch ist nur einmal erlaubt, am 6. August (Verklärung), gegenüber zweimal während der Großen Fastenzeit.
| Wochentag | Fastenregel |
|---|---|
| Montag, Mittwoch, Freitag | Strenges Fasten: getrocknetes Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Brot, Wasser. Kein Öl, kein Wein, kein Fisch |
| Dienstag, Donnerstag | Gekochtes Gemüse mit Öl und Wein erlaubt. Kein Fisch |
| Samstag, Sonntag | Öl und Wein erlaubt. Kein Fisch |
| 6. August (Verklärung) | Fisch, Öl und Wein erlaubt — unabhängig vom Wochentag |
| 14. August abends | Ende des Fastens: ab der Abendliturgie des 14. August sind alle Einschränkungen aufgehoben |
Während des gesamten Entschlafungsfastens stets verboten: Fleisch, Geflügel, Milchprodukte (Käse, Butter, Milch, Sahne), Eier, Fisch (außer am 6. August).
Stets erlaubt: frisches und gekochtes Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Brot, Pasta ohne Ei, Reis, frisches und getrocknetes Obst, Nüsse, Pilze, Oliven, Meeresfrüchte (Muscheln, Garnelen, Tintenfisch — je nach Überlieferung), Wasser, Kräutertee, Kaffee.
Hinweis zu Meeresfrüchten: Nach dem byzantinischen Typikon sind Meeresfrüchte ohne Wirbelsäule (Muscheln, Garnelen, Tintenfisch, Krake) generell auch an strengen Fastentagen erlaubt. Diese Regel wird in der griechischen und antiochenischen Überlieferung weiter verbreitet angewendet. In der slawischen Überlieferung (russisch, serbisch, rumänisch) ist die Interpretation manchmal strenger.
Das Entschlafungsfasten in Deutschland: fasten ohne Feiertag
In Deutschland trägt das Entschlafungsfasten eine Besonderheit, die es von der Situation in Frankreich, Italien oder den orthodoxen Heimatländern unterscheidet: Der 15. August ist in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag — mit einer einzigen Ausnahme im Saarland, wo er als gesetzlicher Feiertag gilt. Dies bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der orthodoxen Christen in Deutschland den festlichsten Gottesdienst des Entschlafungsfastens — die Abendliturgie des 14. August und die Festliturgie des 15. August — an einem gewöhnlichen Arbeitstag feiern muss.
Der 15. August als Arbeitstag: eine bewusste Entscheidung
Für orthodoxe Christen in Deutschland bedeutet das Feiern der Entschlafung eine bewusste persönliche Entscheidung: Urlaub nehmen, spät zur Arbeit gehen, den Kollegen erklären, warum man sich freinimmt. Diese Entscheidung ist nicht dramatisch — sie ist stille. Und sie ist theologisch bedeutsam: Wer in Deutschland zur Liturgie der Entschlafung erscheint, tut dies aus echter Überzeugung, nicht aus kultureller Gewohnheit oder staatlicher Freistellung. In den griechisch-orthodoxen Gemeinden Deutschlands — München, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg — zeigt der 15. August, wer wirklich praktiziert: die Kirchen sind an diesem Tag nicht überfüllt wie an Ostern, aber die Gläubigen, die kommen, kommen bewusst.
Mariä Himmelfahrt in Deutschland: ein geteiltes Datum
In Deutschland ist der 15. August als Mariä Himmelfahrt im katholischen Kalender bekannt — und in Bayern und im Saarland ist er ein gesetzlicher Feiertag. Für die großen griechisch-orthodoxen und rumänisch-orthodoxen Gemeinden in München und im Großraum München ist das ein glücklicher Umstand: Die bayerischen Gemeinden können die Entschlafungsfest-Liturgie am 15. August feiern, ohne Urlaub nehmen zu müssen. Diese regionale Besonderheit macht München zu einem der günstigsten Orte in Deutschland, um das orthodoxe Entschlafungsfest vollständig zu begehen. In allen anderen Bundesländern bleibt der 15. August ein gewöhnlicher Werktag — und das Fest wird von den orthodox Gläubigen durch einen persönlichen Einsatz gefeiert, der das Engagement für den Glauben umso deutlicher macht.
Die Fastenküche des Entschlafungsfastens in Deutschland
Das Entschlafungsfasten in Deutschland im August zu halten ist im Hinblick auf die saisonale Küche gut machbar. Die deutschen Wochenmärkte des Augusts bieten eine reiche Auswahl an Sommergemüse: Tomaten, Zucchini, Auberginen, Paprika, grüne Bohnen, Mais, Baslikum — alles, was die Basis einer vegetarischen Fastenküche bildet. Die traditionelle deutsche Laugenbrezel mit Senf, der Kartoffelsalat ohne Mayonnaise, der Linsentopf, die Ratatouille — all das entspricht perfekt den Regeln des orthodoxen Fastens. Der 6. August (Verklärung), der Fischtag des Fastens, fällt in die Saison des frischen Nordseeherings und der Makrele — beides günstige und gut erhältliche Fische auf deutschen Wochenmärkten und in Supermärkten. Das Entschlafungsfasten fügt sich in die deutsche Sommerküche des Augusts ohne große Umstände ein.
August in Deutschland: Urlaubszeit und Fasten
August ist in Deutschland — wie in ganz Europa — die Hochsaison der Sommerferien. Viele orthodoxe Christen in Deutschland sind im August nicht in ihrer Gemeinde: Sie reisen in ihre Herkunftsländer (Griechenland, Serbien, Rumänien, Russland), verbringen den Urlaub an der Nordsee, in den Alpen oder im Ausland. Wer seinen Urlaub in Griechenland, Serbien oder Rumänien verbringt, erlebt das Entschlafungsfasten in einem ganz anderen Kontext: In diesen Ländern ist der 15. August ein nationaler Feiertag, die Kirchen sind voll, die Prozessionen füllen die Straßen, und das Fasten ist Teil des gesellschaftlichen Rhythmus. Für viele orthodoxe Familien in Deutschland ist der Augusturlaub in der Heimat der einzige Moment des Jahres, in dem sie das Entschlafungsfasten in seiner vollen kulturellen und liturgischen Dichte erleben können. Der Urlaub in der Heimat wird zur jährlichen Erinnerung daran, was in Deutschland still und ohne Feiertag begangen wird.
Die orthodoxen Gemeinden in Deutschland und die Entschlafung
Trotz des fehlenden Feiertags feiern die orthodoxen Gemeinden in Deutschland das Entschlafungsfest mit echter Festlichkeit. Die Griechisch-Orthodoxe Metropolis von Deutschland mit Sitz in Bonn koordiniert die Festgottesdienste in allen griechischen Gemeinden des Landes. In vielen Gemeinden wird die Liturgie der Entschlafung von einer Prozession mit der Ikone der Theotokos umrahmt — einem Festzug um die Kirche oder, in manchen Städten, durch die Straßen des Viertels. Die Serbisch-Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa in Hildesheim feiert die Entschlafung in allen serbischen Gemeinden Deutschlands. Russische, rumänische und georgische Gemeinden begehen das Fest ebenfalls vollständig. In Städten mit großen orthodoxen Gemeinschaften — München, Frankfurt, Berlin, Stuttgart — ist der Festgottesdienst der Entschlafung einer der bestbesuchten Sommerliturgien des Jahres, oft gefolgt von einem Gemeindemahl, das das vierzehntägige Fasten in Freude bricht.
FAQ — Häufig gestellte Fragen zum Entschlafungsfasten
Was sind die Daten des Entschlafungsfastens?
Das Entschlafungsfasten hat feste Daten. Für die Kirchen des gregorianischen Kalenders (griechisch-orthodoxe, rumänisch-orthodoxe, antiochenisch-orthodoxe) geht es vom 1. bis 14. August, jedes Jahr ohne Ausnahme. Für die Kirchen des julianischen Kalenders (russisch-orthodoxe, serbisch-orthodoxe, georgisch-orthodoxe) geht es vom 13. bis 27. August des gregorianischen Kalenders.
Darf man während des Entschlafungsfastens Fisch essen?
Nein — mit einer einzigen Ausnahme: am 6. August, dem Fest der Verklärung des Herrn. An diesem Tag ist Fisch unabhängig vom Wochentag erlaubt. An allen anderen Tagen des Fastens ist Fisch verboten — auch samstags und sonntags. Das ist die strengste Regel dieses Fastens und das, was es am deutlichsten vom Apostelfasten unterscheidet (wo Fisch an fast allen Tagen erlaubt ist).
Warum ist das Entschlafungsfasten so streng wie die Große Fastenzeit?
Weil es eines der bedeutendsten Feste des orthodoxen Kirchenjahres vorbereitet — die Entschlafung der Gottesmutter, das „Ostern des Sommers". Das Verhältnis zwischen der Strenge des Fastens und der Größe des Festes wird gewahrt: Ein Fest dieser Bedeutung verdient eine Vorbereitung von entsprechender Strenge, auch wenn sie kürzer ist als die Große Fastenzeit.
Was ist die Paraklese und wann wird sie gesungen?
Die Paraklese ist ein Bittkanon an die Gottesmutter, der jeden Abend während der vierzehn Tage des Entschlafungsfastens gesungen wird. Es ist der diesem Fasten eigene liturgische Gottesdienst — kein anderes großes Fasten besitzt einen solchen täglichen Gottesdienst. Sie existiert in zwei Versionen (Kleine und Große Paraklese), die sich oft während der vierzehn Abende abwechseln.
Was ist der Unterschied zwischen der orthodoxen Entschlafung und der katholischen Aufnahme?
Die orthodoxe Überlieferung lehrt, dass Maria einen wirklichen Tod gestorben ist, dann von ihrem Sohn auferweckt und verherrlicht wurde. Ihr Grab wurde drei Tage nach ihrem Tod leer gefunden. Dieser Weg — Tod, dann Auferstehung — entspricht dem Weg Christi. Die katholische Überlieferung der Aufnahme (Assumptio), 1950 als Dogma definiert, spricht von einer Entrückung Marias mit Leib und Seele in den Himmel, ohne notwendigerweise ihren vorherigen Tod zu bejahen. Für die Orthodoxen ist das Bestehen auf dem wirklichen Tod Marias theologisch wesentlich: Sie ist bis zum Ende vollständig menschlich — und ihre Verherrlichung ist eine konkrete Hoffnung für alle sterblichen Menschen.
Ist der 15. August in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag?
Nur im Saarland ist der 15. August (Mariä Himmelfahrt) ein gesetzlicher Feiertag. In Bayern gilt er in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung ebenfalls als Feiertag. In allen anderen Bundesländern ist er ein gewöhnlicher Arbeitstag. Orthodoxe Christen in Deutschland müssen in der Regel Urlaub nehmen, um die Festliturgie der Entschlafung zu feiern — mit Ausnahme derjenigen, die in Bayern oder im Saarland leben.
Kann man das Entschlafungsfasten mitten drin beginnen?
Ja. Wenn Sie das Fasten nicht am 1. August begonnen haben, können Sie jederzeit während der vierzehn Tage einsteigen. Ein teilweise eingehaltenes Fasten mit Ernsthaftigkeit ist mehr wert als ein vollständiger Verzicht. Manche Gläubige wählen es, nur die letzte Woche (8.–14. August) zu fasten, was eine echte Vorbereitung auf das große Fest des 15. August bleibt.
Das kürzeste Fasten für das leuchtendste Fest
Das Entschlafungsfasten ist in der Struktur der vier großen orthodoxen Fasten das intensivste im Verhältnis zu seiner Dauer. Vierzehn Tage so streng wie die Große Fastenzeit — aber getragen von der abends gesungenen Paraklese, durchquert vom Licht der Verklärung und in das größte Marienfest des Jahres mündend. Es ist ein Fasten, das in kurzer Zeit viel sagt: dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass diejenige, die den Sohn Gottes in ihrem Schoß getragen hat, den Tod wie er durchschritten hat und nun in der Herrlichkeit regiert, und dass jeder Christ, der im August fastet, etwas von dieser Hoffnung teilt.
In Deutschland, ohne gesetzlichen Feiertag am 15. August, hat das Entschlafungsfasten eine besondere Würde: Es wird nicht aus kultureller Gewohnheit gehalten, nicht weil alle es tun, nicht weil der Staat einen freien Tag schenkt. Es wird gehalten, weil die Gläubigen es wählen — weil die „Pâque des Sommers" auch im Herzen des deutschen Augusts leuchtet, still und unbeirrt.