La Divine Liturgie orthodoxe expliquée : signification et déroulement

Die Göttliche Liturgie orthodox erklärt: Ablauf und Bedeutung

Was geschieht eigentlich, ganz konkret, während eines orthodoxen Gottesdienstes? Warum verschwindet der Priester immer wieder hinter einer goldverzierten Wand? Was bedeuten diese Gesänge, die scheinbar nie enden wollen? Für jeden, der die Orthodoxie zum ersten Mal entdeckt, kann die Göttliche Liturgie zugleich überwältigend schön und verwirrend wirken — ein Mysterium im wörtlichen Sinne. Dieser Leitfaden erschließt ihren Aufbau, ihre tiefe theologische Bedeutung, und gibt einige praktische Hinweise für den ersten Besuch.

Wenn Sie sich zunächst mit dem Rhythmus des orthodoxen Kirchenjahres vertraut machen möchten, gibt Ihnen unser Leitfaden zu den großen orthodoxen Festen einen ersten Überblick, bevor wir uns diesem zentralen Gottesdienst im Detail zuwenden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Göttliche Liturgie?

Das Wort „Liturgie" stammt vom griechischen leitourgia ab und bedeutet „öffentlicher Dienst" — ein Dienst, der im Namen und zum Nutzen eines ganzen Volkes vollzogen wird, nicht eine private Handlung. In der orthodoxen Kirche spricht man von der Göttlichen Liturgie, wenn man den sonntäglichen und festtäglichen Gottesdienst bezeichnet, in dem die Eucharistie gefeiert wird — und niemals von „orthodoxer Messe", einem Begriff, der der westlichen Tradition vorbehalten ist. Sie ist der Höhepunkt des ganzen gottesdienstlichen Lebens: Während die orthodoxe Kirche zahlreiche eigenständige Gottesdienste kennt — Vesper, Matutin, die Stundengebete, den Mitternachtsgottesdienst —, bleibt die Göttliche Liturgie der zentrale Dienst, in dem sich das Sakrament schlechthin vollzieht.

Während der Liturgie werden Brot und Wein, nach der Lehre der Kirche, tatsächlich zum Leib und Blut Christi. Die Kirche bekennt diese Wirklichkeit mit absoluter Gewissheit, hat jedoch nie eine genaue dogmatische Definition formuliert, wie sich diese Wandlung vollzieht — anders als die westliche Scholastik mit ihrer Transsubstantiationslehre. Wie der russische Theologe Georgij Florowski es ausdrückte: „Das Christentum ist eine liturgische Religion. Die Kirche ist zuerst eine anbetende Gemeinschaft."

Die drei großen Teile der Liturgie

Die Göttliche Liturgie gliedert sich in drei deutlich unterschiedene Abschnitte, die unmittelbar aus der Praxis der alten Kirche stammen:

  • Die Proskomidie (Zurüstung) — die Vorbereitung der Gaben, die still hinter der Ikonostase vollzogen wird, noch vor dem sichtbaren Beginn des Gottesdienstes
  • Die Liturgie der Katechumenen, auch Wortgottesdienst genannt — in der die Heilige Schrift verkündet und erklärt wird
  • Die Liturgie der Gläubigen, auch eucharistische Liturgie genannt — in der Brot und Wein dargebracht, geheiligt und zur Kommunion gespendet werden

Diese Dreiteilung geht auf die altkirchliche Unterscheidung zwischen Katechumenen — Menschen, die sich noch auf die Taufe vorbereiteten — und vollwertigen Gläubigen zurück. Während am ersten Abschnitt alle teilnehmen konnten, blieb der zweite Teil ausschließlich den getauften Christen vorbehalten; die Katechumenen mussten die Kirche nach einem entsprechenden Aufruf des Priesters verlassen.

Die Proskomidie: die stille Vorbereitung

Noch vor dem eigentlichen, sichtbaren Beginn der Liturgie, während die Stundengebete der Terz und Sext gelesen werden, vollzieht der Priester im Altarraum, hinter der Ikonostase, einen Ritus von großer symbolischer Tiefe: Aus den eigens für die Liturgie gebackenen Broten — den Prosphoren — schneidet er ein Quadrat heraus, das Lamm genannt wird; genau dieses Stück wird später konsekriert und zum Leib Christi. Zusätzlich schneidet er kleine Partikel heraus, die der Gottesmutter, den Heiligen sowie lebenden und verstorbenen Gläubigen gewidmet sind, für die die Kirche betet. Die Prosphore selbst besteht aus zwei runden Hälften, als Zeichen der zwei Naturen Christi — der göttlichen und der menschlichen.

Die Liturgie der Katechumenen

Dieser erste öffentliche Teil des Gottesdienstes beginnt mit der leise gesprochenen Anrufung des Heiligen Geistes: „Himmlischer König, Tröster, Geist der Wahrheit, der Du überall bist und alles erfüllst..." Es folgen die Antiphonen, der Gesang des Trishagion-Hymnus („Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher") und der Kleine Einzug: Der Priester tritt mit dem Evangelienbuch aus dem Altarraum hervor — ein Zeichen, dass dieser Teil des Gottesdienstes auf das geschriebene Wort Gottes hin ausgerichtet ist.

Es folgen die Lesung aus den Apostelbriefen oder der Apostelgeschichte, dann das Evangelium des Tages, gegebenenfalls gefolgt von der Predigt. In den ersten Jahrhunderten war dieser Teil des Gottesdienstes den Katechumenen zugänglich, da er vor allem der geistlichen Vorbereitung diente; sie selbst zogen sich anschließend zurück, da sie noch nicht am weiteren Mysterium teilnehmen durften.

Die Liturgie der Gläubigen

Der Diakon ruft nun der Gemeinde zu: „Lasset uns wiederum und wiederum in Frieden zum Herrn beten." Während der Chor den Cherubim-Hymnus anstimmt, tragen Priester und Diakon Brot und Wein feierlich vom Ort der Proskomidie zum Altar — dies ist der Große Einzug. Der Text dieses Hymnus ist von eindringlicher Schönheit: „Wir, die wir die Cherubim mystisch darstellen und der lebenspendenden Dreifaltigkeit den dreimal heiligen Hymnus singen, lasset uns jetzt jegliche weltliche Sorge ablegen."

Es folgen der Friedenskuss und das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis, mit dem die ganze Versammlung ihren Glauben bekennt, bevor sie sich dem zentralen Mysterium der Liturgie zuwendet.

Die Anaphora: das eucharistische Herzstück

Nun folgt die Anaphora, das eucharistische Hochgebet — der griechische Begriff bedeutet wörtlich „Emporbringung". Es ist ein langes, vom Priester geleitetes Gebet, das den Dank für alle Gaben Gottes, den biblischen Bericht der Einsetzung des Abendmahls, und schließlich die Epiklese umfasst: die Anrufung des Heiligen Geistes über die Gemeinde und über die dargebrachten Gaben. Bemerkenswert ist, dass die orthodoxe Theologie keinen einzelnen Höhepunkt der Liturgie kennt, wie ihn die lateinische Messe mit der Elevation kennt: Es sind nicht allein die Einsetzungsworte Jesu, die seine Gegenwart in Brot und Wein bewirken, sondern ebenso das nachfolgende Gebet um die Wandlung der irdischen Gaben durch den Geist — beide sind von gleicher Bedeutung. So vollzieht sich das sakramentale Wunder durch das gemeinsame Handeln des dreieinen Gottes: Das Hochgebet richtet sich an den Vater, der Sohn hat das Abendmahl eingesetzt, und der Geist bewirkt seine Gegenwart in den Gaben.

Der Priester gedenkt nun des gesamten Erlösungswerkes Christi und der Gemeinde selbst, bevor diese lange Prière, durchsetzt mit Fürbitten und Gedenken an Lebende und Verstorbene, im gemeinsam gesprochenen Vaterunser ihren Höhepunkt findet.

Die Kommunion und der Abschluss

Der Priester ruft aus: „Das Heilige den Heiligen", und die Gemeinde antwortet: „Einer ist heilig, einer ist Herr, Jesus Christus..." Während der Klerus am Altar kommuniziert, singt der Chor das Kommunionlied. Anschließend tritt der Priester mit dem Kelch aus dem Altarraum hervor und spendet den Gläubigen die Kommunion am Leib und Blut Christi, gewöhnlich mit einem Löffel gereicht. Die Gläubigen verneigen sich ein letztes Mal vor den Heiligen Gaben, und der Chor singt das Dankeslied: „Unser Mund sei erfüllt von Deinem Lobe, o Herr..." Der Priester ruft schließlich: „Lasset uns hingehen in Frieden" — ein Zeichen, dass die Liturgie zu Ende geht.

Warum eine Ikonostase?

Die Ikonostase — jene mit Ikonen verzierte Wand, die den Altarraum vom Kirchenschiff trennt — überrascht westliche Besucher häufig, die darin ein Hindernis zwischen den Gläubigen und dem Altar sehen könnten. Der Theologe Alexander Schmemann bietet jedoch eine grundlegend andere Lesart an: Die Ikonostase soll nicht trennen, sondern vereinen — sie ist eine Folge der Inkarnation, da sie die Gegenwart des Himmels sichtbar macht. Nicht die Wand verlangt nach Ikonen, sondern die Gegenwart der Ikonen verlangt nach einer Wand.

Johannes Chrysostomos und Basilius der Große: zwei Liturgien, eine Kirche

Die orthodoxe Kirche kennt zwei hauptsächliche Formen der Göttlichen Liturgie, die sich nur durch den Text des eucharistischen Hochgebets unterscheiden: die Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos, die das ganze Jahr über am häufigsten gefeiert wird, und die Liturgie des heiligen Basilius des Großen, älter und feierlicher, die nur an zehn Tagen im Jahr gefeiert wird — insbesondere an den Sonntagen der Großen Fastenzeit, am Gründonnerstag und am Karsamstag sowie an den Vorabenden von Weihnachten und Theophanie. Eine dritte Form, die Liturgie der Vorgeweihten Gaben — zu Unrecht oft Papst Gregor dem Großen zugeschrieben —, wird an den Wochentagen der Großen Fastenzeit gefeiert: Sie enthält keine neue Heiligung der Gaben, da bereits zuvor geheiligte Gaben ausgeteilt werden. Bis heute ist es in den Kirchen des byzantinischen Ritus nämlich untersagt, an den Werktagen der vierzigtägigen Fastenzeit eine festliche eucharistische Liturgie zu feiern.

Der erste Besuch: praktische Hinweise

Wer zum ersten Mal eine Göttliche Liturgie besucht, mag von der Farbenpracht überwältigt sein — von den Fresken, der Ikonostase, den glänzenden Gewändern, dem brennenden Weihrauch, und dem zunächst verwirrenden Verhalten der Gläubigen um ihn herum, die sich bekreuzigen, verneigen, Kerzen anzünden und Ikonen küssen. Einige einfache Hinweise helfen, diesen ersten Besuch gelassener anzugehen:

  • Man steht während fast des gesamten Gottesdienstes — wie Pfarrer Johannes Nothhaas es treffend formuliert: Wer könnte sitzen bleiben, wenn der Bundespräsident den Raum betritt? Die wenigen Sitzplätze an den Wänden sind für Alte und Ermüdete gedacht
  • Das Bekreuzigen erfolgt mit der rechten Hand, von oben nach unten und dann von rechts nach links — entgegengesetzt zur westlichen Praxis, da die Gläubigen das Segenskreuz des Priesters spiegelbildlich empfangen
  • Man dreht dem Altar niemals den Rücken zu, aus Respekt vor dem, was sich dort vollzieht
  • Stille ist geboten: Man geht während des Gottesdienstes nicht in der Kirche herum, man flüstert nur im äußersten Notfall
  • Man bittet einen Priester um den Segen, indem man seine rechte Hand küsst
  • Die Kommunion ist orthodoxen, getauften Gläubigen vorbehalten; ein nicht-orthodoxer Besucher ist immer willkommen, dem Gottesdienst beizuwohnen, tritt jedoch nicht an den Kelch. Dies sollte niemals als Ausschluss empfunden werden: Es zeigt lediglich, dass die Kommunion eine bereits gelebte Einheit des Glaubens ausdrückt, nicht eine bloße körperliche Anwesenheit

Viele Neulinge fühlen sich zunächst etwas verloren angesichts so vieler unbekannter Elemente — das ist eine fast universelle Erfahrung und völlig normal. Die meisten Gemeinden begrüßen Fragen gerne nach dem Gottesdienst statt während desselben: Das ist der ideale Moment, um einen Priester oder einen erfahrenen Gläubigen um Erklärungen zu bitten.

FAQ — Fragen zur Göttlichen Liturgie

Wie lange dauert eine Göttliche Liturgie?

In der Regel zwischen anderthalb und zwei Stunden, manchmal länger bei großen Festen oder wenn ein Bischof zelebriert. Die historisch älteste Form des byzantinischen Ritus, vor den Reformen des heiligen Basilius und des heiligen Johannes Chrysostomos, konnte mehr als vier Stunden dauern.

Warum verschwindet der Priester hinter der Ikonostase?

Bestimmte Gebete und Gesten, insbesondere die der Proskomidie und Teile der Anaphora, finden traditionell am Altar im Altarraum statt. Das bedeutet nicht, dass diese Momente geheim sind: Die Königstüren öffnen sich mehrfach, und die Gemeinde nimmt durch ihre Gesänge und Antworten an allem teil, was sich vollzieht, ob sie jede einzelne Geste sieht oder nicht.

Darf ein Nicht-Orthodoxer an der Liturgie teilnehmen?

Ja, ohne Weiteres: Jeder Mensch guten Willens ist willkommen, dem Gottesdienst beizuwohnen, sei es aus geistlichem Interesse oder kultureller Neugier. Lediglich die eucharistische Kommunion selbst ist orthodoxen, getauften Gläubigen vorbehalten.

Was ist der Unterschied zwischen der Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos und der des heiligen Basilius?

Beide Liturgien teilen denselben grundlegenden Aufbau; sie unterscheiden sich nur im Text des eucharistischen Hochgebets, wobei jenes des heiligen Basilius länger und älter ist. Die Liturgie des heiligen Basilius wird nur zehnmal im Jahr gefeiert, hauptsächlich während der Großen Fastenzeit und der Karwoche.

Warum sagt man „Göttliche Liturgie" und nicht „Messe"?

Der Begriff „Messe" gehört zum liturgischen Wortschatz des Westens und wird in der orthodoxen Tradition nicht verwendet. Der Ausdruck „Göttliche Liturgie" unterstreicht, dass dieser Gottesdienst nicht nur ein Ritus unter vielen ist, sondern der Dienst schlechthin, in dem sich das Mysterium der Kirche vollständig verwirklicht.

Eine himmlische Liturgie auf Erden

Die Göttliche Liturgie ist niemals ein bloßes Schauspiel, das man von außen betrachtet: Sie ist eine wirkliche Teilhabe, die der ganzen Gemeinde am Mysterium des Heils selbst angeboten wird. Die griechischen Gesandten, die im Jahr 988 nach Konstantinopel reisten, fanden für diese Erfahrung Worte, die bis heute gültig sind: „Wir wussten nicht, waren wir im Himmel oder auf der Erde." Genau das ist die Göttliche Liturgie: ein Geschehen, das sich im Himmel und auf der Erde zugleich vollzieht.

Um die Bedeutung dieses Gottesdienstes im Herzen des orthodoxen Sakramentenlebens weiter zu vertiefen, lesen Sie unseren vollständigen Leitfaden zur Vorbereitung auf die Kommunion.

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