Es gibt im orthodoxen Kalender ein Fasten, das kaum jemand kennt und das nur wenige gewissenhaft einhalten — ein Fasten, das mitten in den Sommer fällt, zwischen Pfingsten und dem Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus, wenn die Schulferien beginnen, die Biergärten sich füllen und das gesellschaftliche Leben seinen Höhepunkt erreicht. Dieses Fasten heißt das Apostelfasten — und seine relative Unbekanntheit ist selbst schon eine Einladung, es neu zu entdecken. Denn dieses stille, variabelste aller Fasten trägt eine geistliche Bedeutung in sich, die die drei anderen großen Fastenzeiten nicht haben: Es ist das Fasten der Mission, das Fasten derer, die das Feuer der Pfingsten empfangen haben und sich darauf vorbereiten, es in die Welt zu tragen.
Dieser Leitfaden stellt das Apostelfasten in seiner Gesamtheit vor: seine Termine (die von Jahr zu Jahr erheblich variieren), seine Fastenregeln, seine theologische Bedeutung, seinen Zusammenhang mit dem Fest der heiligen Petrus und Paulus und die besonderen Herausforderungen, die es für diejenigen mit sich bringt, die es in Deutschland leben.
Inhaltsverzeichnis
- Termine des Apostelfastens 2025–2029
- Warum ist das Apostelfasten so variabel?
- Die theologische Bedeutung: das Fasten der apostolischen Mission
- Das Fest der heiligen Petrus und Paulus: die Vollendung des Fastens
- Die Fastenregeln des Apostelfastens
- Das Apostelfasten in Deutschland: fasten im Sommer
- FAQ — Häufig gestellte Fragen zum Apostelfasten
Termine des Apostelfastens 2025–2029
Das Apostelfasten ist das einzige der vier großen orthodoxen Fasten, dessen Dauer sich von Jahr zu Jahr auf spektakuläre Weise verändert. Sein Beginn ist beweglich (er hängt vom Datum des orthodoxen Osterfestes ab), während sein Ende fest ist: der 28. Juni am Abend, der Vorabend des Festes der heiligen Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni.
Das Fasten beginnt am Montag nach dem Sonntag Aller Heiligen — dem ersten Sonntag nach Pfingsten. Je später das orthodoxe Osterfest fällt, desto später ist Pfingsten, desto näher rückt der Beginn des Fastens an sein festes Ende — und desto kürzer ist das Fasten.
| Jahr | Orthodoxes Ostern | Pfingsten | Sonntag Aller Heiligen | Beginn Fasten | Ende Fasten | Dauer |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2025 | 20. Apr. | 8. Jun. | 15. Jun. | 16. Jun. | 28. Jun. | 13 Tage |
| 2026 | 12. Apr. | 31. Mai | 7. Jun. | 8. Jun. | 28. Jun. | 21 Tage |
| 2027 ← nächstes | 2. Mai | 20. Jun. | 27. Jun. | 28. Jun. | 28. Jun. | nur 1 Tag |
| 2028 | 16. Apr. | 3. Jun. | 10. Jun. | 11. Jun. | 28. Jun. | 18 Tage |
| 2029 | 8. Apr. | 26. Mai | 2. Jun. | 3. Jun. | 28. Jun. | 26 Tage |
Die Kirchen des julianischen Kalenders (russisch-orthodoxe, serbisch-orthodoxe, georgisch-orthodoxe) feiern das Fest der heiligen Petrus und Paulus am 12. Juli des gregorianischen Kalenders (ihrem julianischen 29. Juni), und ihr Apostelfasten endet daher am 11. Juli.
Warum ist das Apostelfasten so variabel?
Die große Variabilität des Apostelfastens ist die unmittelbare Folge der Struktur des orthodoxen Liturgiekalenders. Um sie zu verstehen, muss man die Kette der Abhängigkeiten vor Augen haben:
Ostern → + 50 Tage → Pfingsten → + 7 Tage → Sonntag Aller Heiligen → + 1 Tag → Beginn Apostelfasten → 29. Juni → Fest Petrus und Paulus
Das orthodoxe Osterfest kann zwischen dem 4. April und dem 8. Mai (gregorianischer Kalender) fallen. Fällt es früh (Anfang April), kann das Apostelfasten bis zu sechs Wochen dauern. Fällt es spät (Anfang Mai), kann es sich auf einen einzigen Tag reduzieren. Diese Variabilität ist kein Fehler des Kalenders: Sie ist das Zeichen, dass das Apostelfasten tief im Osterzyklus verwurzelt ist — der Kometenschweif des Osterfestes, die Verlängerung der Bewegung, die durch die Auferstehung eingeleitet und durch Pfingsten vollständig entfaltet wurde.
Die theologische Bedeutung: das Fasten der apostolischen Mission
Unter den vier großen orthodoxen Fasten ist das Apostelfasten dasjenige, dessen theologische Bedeutung am präzisesten definiert — und am wenigsten erklärt wird. Es ist das Fasten der Mission.
Nach Pfingsten: die Osterfreude weicht der apostolischen Anstrengung
Die fünfzig Tage der Osterzeit — von Ostersonntag bis Pfingsten — sind eine Zeit der Freude ohne Fasten, ohne Kniefälle, ohne die übliche Askese. Es ist die Zeit der Gegenwart des Auferstandenen, des beständigen Halleluja. Aber an Pfingsten ändert sich etwas. Der Auferstandene ist nicht mehr auf dieselbe Weise gegenwärtig — er ist an Himmelfahrt in den Himmel aufgefahren, und der Heilige Geist ist auf die Apostel herabgekommen, um sie in die Welt zu senden.
Das Apostelfasten beginnt genau nach diesem Pfingsten — als würde die Kirche sagen: das Fest ist vorbei, die Arbeit beginnt. Die Apostel hatten das Feuer des Heiligen Geistes empfangen, aber sie bereiteten sich auf ihre Mission durch Gebet und Fasten vor — wie Christus selbst es vor Beginn seines Wirkens getan hatte (vierzig Tage in der Wüste, Lk 4, 1–2) und wie bereits die Apostelgeschichte vorschreibt: „Als sie gefastet und gebetet hatten, legten sie ihnen die Hände auf und entließen sie." (Apg 13, 3)
Ein Fasten für alle, benannt nach einigen wenigen
Das Apostelfasten wird bisweilen fälschlicherweise als eine Praxis verstanden, die der besonderen Verehrung von Petrus und Paulus vorbehalten ist. In Wirklichkeit ehrt es alle Apostel — die zwölf und die siebzig Gesandten Christi — und damit alle, die das Evangelium in die ganze Welt getragen haben. Das Fest der heiligen Petrus und Paulus ist nur sein sichtbarster Abschluss, gewählt weil Petrus und Paulus die zwei großen apostolischen Gestalten der Kirche sind — der eine der Fürst der Apostel, der andere der Apostel der Heiden.
Das Fasten und die Mission: eine Botschaft für heute
Die Theologie des Apostelfastens ist von einer bemerkenswerten Aktualität für orthodoxe Christen in der Diaspora — und besonders in Deutschland. Die orthodoxen Gemeinden in Deutschland sind in gewissem Sinne selbst apostolisch: Sie sind Zeugen des Glaubens in einem Land, das eine tief verwurzelte christliche Geschichte hat, die orthodoxe Tradition aber kaum kennt. Das Apostelfasten im Sommer zu halten bedeutet, die eigene missionarische Berufung ernst zu nehmen — nicht durch Straßenpredigt, sondern durch eine andere Lebensweise. Das Fasten ist selbst eine Form des stillen Zeugnisses.
Das Fest der heiligen Petrus und Paulus: die Vollendung des Fastens
Das Apostelfasten gipfelt im Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus, gefeiert am 29. Juni (gregorianischer Kalender) — einem der großen Apostelfeste des orthodoxen Kirchenjahres.
Petrus: der Fels und die Verleugnung
Simon Petrus — von Christus in Petros (Petrus, der Fels) umbenannt — ist die widersprüchlichste Gestalt unter den Aposteln. Er ist zugleich der erste Bekenner des Glaubens („Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" — Mt 16, 16), derjenige, dem Christus seine Schafe anvertraut („Weide meine Schafe" — Joh 21, 17), und derjenige, der seinen Herrn in der Nacht der Passion dreimal verleugnet hat. Sein Weg — vom begeisterten Glauben zur Verleugnung, dann von der österlichen Versöhnung zur universalen Mission — ist das Modell jedes christlichen Lebens. Petrus wird nicht geehrt, weil er vollkommen war, sondern weil er vergeben wurde und weitergegangen ist.
Paulus: der Feind, der zum Gesandten wurde
Paulus von Tarsus ist die zweite große apostolische Gestalt — und sein Fall ist noch außergewöhnlicher als der des Petrus. Erbitterter Verfolger der entstehenden Kirche, niedergeworfen von einem blendenden Licht auf dem Weg nach Damaskus („Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" — Apg 9, 4), wird er zum Apostel der Heiden — demjenigen, der den Namen Christi vor Griechen, Römer und Könige trägt. Seine Briefe bilden das Lehrfundament des Christentums. Sein Martyrium in Rom unter Nero wird am selben Tag wie das des Petrus begangen — eine bedeutungsvolle Koinzidenz: Die zwei großen Säulen der Kirche haben ihr Blut in derselben Stadt für denselben Glauben vergossen.
Petrus und Paulus in Deutschland: die orthodoxe Feier im deutschen Kontext
In Deutschland trägt der 29. Juni eine besondere kulturelle Resonanz. Peter und Paul gehören zu den häufigsten deutschen Vornamen — und der 29. Juni ist in mehreren deutschen Bundesländern traditionell mit dem Namenstag verbunden. In Bayern, wo der 29. Juni bis 1970 ein gesetzlicher Feiertag war (Peter und Paul), lebt die Erinnerung an diesen Aposteltag in der Volksfrömmigkeit fort. Für die orthodoxen Gemeinden in Deutschland ist der 29. Juni ein Fest, das in einem kulturell vertrauten Kontext gefeiert werden kann — Kollegen und Nachbarn verstehen, wenn man erklärt, dass man das Fest der heiligen Apostel begeht.
In den griechisch-orthodoxen Gemeinden Deutschlands — in München, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg — wird der 29. Juni mit einer festlichen Göttlichen Liturgie gefeiert, oft gefolgt von einem Gemeindemahl, das das Fasten in Freude bricht. In den russisch-orthodoxen und serbisch-orthodoxen Gemeinden ist dieser Tag ebenfalls ein begangener Aposteltag. Für viele orthodoxe Familien in Deutschland ist das Apostelfasten und die abschließende Festliturgie am 29. Juni einer der wenigen Sommermomente, an dem die Gemeinde sich außerhalb der großen Hochfeste bewusst als Gemeinschaft versammelt.
Die Fastenregeln des Apostelfastens
Das Apostelfasten ist das flexibelste der vier großen orthodoxen Fasten. Seine Regeln sind deutlich weniger streng als die der Großen Fastenzeit oder des Entschlafungsfastens — insbesondere weil Fisch an den meisten Tagen erlaubt ist.
| Wochentag | Fastenregel |
|---|---|
| Montag, Dienstag, Donnerstag | Fisch, Öl und Wein erlaubt. Kein Fleisch, keine Milchprodukte |
| Mittwoch, Freitag | Kein Fisch. Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüse, Brot. Kein Öl nach einigen Überlieferungen |
| Samstag, Sonntag | Fisch, Öl und Wein erlaubt. Kein Fleisch, keine Milchprodukte |
| 29. Juni (Vorabend des Festes) | Striktes Fasten am Vorabend nach einigen Überlieferungen; das Fest selbst hebt alle Einschränkungen auf |
Während des gesamten Apostelfastens stets verboten: Fleisch, Geflügel, Milchprodukte (Käse, Butter, Milch, Sahne), Eier.
Stets erlaubt: Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Brot, Obst, Nüsse, Pilze, Öl (außer Mittwoch und Freitag nach einigen Überlieferungen), Wein (außer Mittwoch und Freitag), Fisch (außer Mittwoch und Freitag), Meeresfrüchte.
Das Apostelfasten in Deutschland: fasten im Sommer
Das Apostelfasten in Deutschland im Juni zu halten ist eine geistlich besondere Erfahrung — und gerade das macht es wertvoll.
Die Herausforderung des deutschen Junis
Juni ist einer der geselligsten Monate des Jahres in Deutschland. Schuljahresabschlüsse, Betriebsfeiern, Grillabende im Garten, Besuche auf dem Wochenmarkt, erste Ausflüge an See und Fluss, das Public Viewing bei Fußball-Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften — all das lädt zur gastronomischen Geselligkeit ein und macht jede Enthaltsamkeit zu einer Gegenbewegung. Das Apostelfasten fällt genau in diesen Kontext, und es ist deshalb das Fasten, das viele Orthodoxe in Deutschland am wenigsten gewissenhaft einhalten.
Und doch ist es gerade deshalb so nützlich. Im Juni in Deutschland zu fasten bedeutet, einen geistlichen Anker zu setzen, genau dann, wenn alles dazu einlädt, ihn loszulassen. Es ist kein Trauerfahsten, kein Bußfasten — es ist ein Fasten der gewählten Nüchternheit inmitten des Überflusses. Die apostolische Logik des Fastens sagt: Ich kann am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, ohne mich vollständig davon definieren zu lassen.
Die Fastenküche des Apostelfastens in Deutschland
Praktisch gesehen ist das Apostelfasten im deutschen Kontext des Junis eines der am leichtesten einzuhaltenden orthodoxen Fasten. Fisch ist an den meisten Tagen erlaubt — und Juni ist die Saison frischer Süßwasserfische auf deutschen Wochenmärkten: Forelle, Zander, Hecht, Karpfen. Die Nordsee- und Ostseefischerei liefert Hering, Makrele und Scholle. Freitags ist in vielen deutschen Regionen — besonders in Bayern und im Rheinland — der Fischfreitag noch lebendig, eine Tradition die sowohl in der katholischen Volkskultur als auch in der orthodoxen Fastenpraxis ihre Wurzeln hat. Für orthodoxe Christen in Deutschland schafft dieser kulturelle Einklang einen natürlichen Rahmen: Der Wochenmarkt, die Fischtheke beim Supermarkt, das Fischrestaurant am Freitagabend — all das ist bereits vorhanden. Das Apostelfasten fügt sich in das deutsche Nahrungsmittelangebot des Junis fast mühelos ein.
Der 24. Juni: die Geburt Johannes des Täufers
In der Mitte des Apostelfastens fällt der 24. Juni — das Fest der Geburt des heiligen Johannes des Täufers, eine der großen Feste des Vorläufers Christi in der orthodoxen Überlieferung. In einigen Überlieferungen gewährt dieses Fest eine Fischdispens und eine leichte Milderung des Fastens. In Deutschland ist der 24. Juni kulturell bedeutsam: Johannistag, mit regionalen Traditionen der Sonnwendfeuer und Johanniskraut-Ernte besonders in ländlichen Gebieten. In Bayern und Österreich wird der Johannistag noch als halber Feiertag empfunden. Für orthodoxe Christen in Deutschland bietet die Konvergenz zwischen dem liturgischen Fest des Vorläufers und dem deutschen Johannistag einen natürlichen Gesprächsanlass mit dem nicht-orthodoxen Umfeld.
Die orthodoxen Gemeinden in Deutschland und die apostolische Berufung
Die orthodoxen Gemeinden in Deutschland — griechische, serbische, russische, rumänische und georgische — befinden sich in einer apostolischen Position: Sie sind Zeugen einer jahrtausendealten Glaubenstradition in einem Land, das diese Tradition kaum kennt. Die Griechisch-Orthodoxe Metropolis von Deutschland mit Sitz in Bonn, die Serbisch-Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa mit Sitz in Hildesheim, sowie die russischen, rumänischen und georgischen Gemeinden in den großen deutschen Städten — alle sind sie kleine apostolische Gemeinschaften, die durch ihre bloße Existenz Zeugnis geben. Das Apostelfasten erinnert diese Gemeinschaften daran, dass Zeugnisgeben nicht nur durch Worte geschieht, sondern auch durch das stille Fasten eines Sommertages.
FAQ — Häufig gestellte Fragen zum Apostelfasten
Wann beginnt das Apostelfasten jedes Jahr?
Das Apostelfasten beginnt stets am Montag nach dem Sonntag Aller Heiligen — dem ersten Sonntag nach Pfingsten. Sein Beginndatum variiert also jedes Jahr je nach dem Datum des orthodoxen Osterfestes. Es endet stets am 28. Juni am Abend, dem Vorabend des Festes der heiligen Petrus und Paulus. Die genauen Termine für jedes Jahr sind in der obigen Tabelle angegeben.
Warum kann das Apostelfasten manchmal nur einen Tag dauern?
Wenn das orthodoxe Osterfest außergewöhnlich spät fällt — Anfang Mai — wird Pfingsten auf Ende Juni verschoben und der Sonntag Aller Heiligen fällt auf den letzten Sonntag im Juni. Das Fasten kann dann erst am Montag, dem 28. Juni beginnen, und endet noch am selben Abend, dem Vorabend des Festes. Das ist die absolute Mindestdauer des Apostelfastens. Dieser Fall veranschaulicht die Mechanik des orthodoxen Liturgiekalenders perfekt: Je später das Osterfest, desto kürzer das Apostelfasten — bis hin zu einem einzigen symbolischen Tag.
Darf man während des Apostelfastens Fisch essen?
Ja — das ist eine der Besonderheiten des Apostelfastens. Fisch ist an allen Tagen erlaubt außer mittwochs und freitags. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Großen Fastenzeit, in der Fisch nur zweimal in vierzig Tagen erlaubt ist.
Ist das Apostelfasten verpflichtend?
Alle orthodoxen Fasten sind von der Überlieferung und dem Typikon der Kirche vorgeschrieben — in diesem Sinne gehören sie zur orthodoxen christlichen Disziplin. In der Praxis ist das Apostelfasten dasjenige, das am wenigsten streng eingehalten wird, teils weil es im Sommer fällt, teils weil seine sehr variable Dauer (manchmal nur ein Tag) ihm einen weniger strukturierenden Charakter verleiht. Das Wesentliche ist, es nicht vollständig zu übergehen: Selbst eine teilweise Einhaltung — einige Tage kein Fleisch, ein Gebet am 29. Juni — ehrt den apostolischen Geist des Fastens.
Was ist der Unterschied zwischen dem Apostelfasten und den anderen großen Fasten?
Das Apostelfasten unterscheidet sich von den drei anderen großen Fasten durch drei Merkmale: seine sehr variable Dauer (von 1 bis 42 Tagen je nach Jahr), seine moderate Strenge (Fisch ist an den meisten Tagen erlaubt) und seine spezifisch missionarische Bedeutung (es bereitet auf das apostolische Wirken vor, nicht auf ein großes theologisches Fest wie Ostern oder die Entschlafung). Es ist das zugänglichste Fasten für diejenigen, die beginnen, das orthodoxe Fasten zu praktizieren.
Was wird am 29. Juni gefeiert?
Der 29. Juni ist das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus — eines der großen Apostelfeste des orthodoxen Kirchenjahres. Es begeht das Martyrium der beiden Apostel in Rom unter Kaiser Nero (um 64–67 n. Chr.) und ehrt ihre Gründerrolle in der Kirche: Petrus als Fürst der Apostel und erster Bekenner der Gottheit Christi („Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes"), Paulus als Apostel der Heiden und Verfasser des größten Teils der neutestamentlichen Briefe. In der orthodoxen Überlieferung werden beide Apostel gemeinsam als die zwei großen Säulen der Kirche gefeiert — gleich im Martyrium, komplementär in ihrer Mission.
Hat das Apostelfasten in allen orthodoxen Kirchen die gleiche Dauer?
Die Dauer des Apostelfastens ist in allen orthodoxen Kirchen, die denselben Kalender verwenden, gleich. Für die Kirchen des gregorianischen Kalenders (griechisch-orthodoxe, rumänisch-orthodoxe, antiochenisch-orthodoxe) endet das Fasten am 28. Juni und das Fest ist am 29. Juni. Für die Kirchen des julianischen Kalenders (russisch-orthodoxe, serbisch-orthodoxe, georgisch-orthodoxe) fällt das Fest Petrus und Paulus auf den 12. Juli des gregorianischen Kalenders — ihr Apostelfasten endet daher am 11. Juli und ist in der Regel 13 Tage länger.
Ein stilles Fasten für eine stille Mission
Das Apostelfasten hat nicht die Größe der Großen Fastenzeit, nicht die Intensität des Entschlafungsfastens. Es hat keinen Großen Kanon, keinen Epitaphios, keine Osternacht. Es ist nüchtern, still, manchmal kurz. Aber es trägt eine Wahrheit in sich, die die anderen Fasten nicht so deutlich aussprechen: Das christliche Leben nach Ostern und nach Pfingsten ist nicht nur ein Leben der Kontemplation und der Feier — es ist ein Leben des Ausgesandtseins und des Zeugnisses.
In Deutschland im Juni, inmitten von Grillabenden, Biergärten und Fußball-Public-Viewing, dieses kleine Sommerfahsten einzuhalten ist eine stille Weise zu sagen: Ich bin auch ein Apostel, auf meine Weise. Ich faste nicht um traurig zu sein — ich faste um frei zu bleiben. Und diese innere Freiheit, so still sie auch sein mag, ist bereits eine Form der Mission.