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Der heilige Georg ist einer der wenigen Heiligen, deren Name buchstäblich eine Nation geprägt hat: Georgien (საქართველო, Sakartvelo) trägt seinen Namen — das erste Land der Welt, das das Christentum zur Staatsreligion erklärte, und das den heiligen Georg seit dem 4. Jahrhundert als Schutzpatron verehrt. Sein Kreuz — das rote Georgskreuz auf weißem Grund — schmückt die Flagge Englands und, in verschiedenen Variationen, die Fahnen Georgiens, Genuas und zahlreicher anderer Länder. In den orthodoxen Gemeinden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ist der 23. April einer der großen Namensfesttage des Jahres.
Wer ist der heilige Georg in der orthodoxen Tradition?
Der heilige Georg (griechisch: Ἅγιος Γεώργιος) ist ein Großmärtyrer der orthodoxen Kirche, der am 23. April 303 in Nikomedien das Martyrium erlitt. Er wird Tropaïophoros (Τροπαιοφόρος — «Siegesträger» oder «Trophäenträger») genannt, wegen seiner zahlreichen geistlichen Siege und seines endgültigen Sieges über den Tod durch das Martyrium.
Zusammen mit dem Erzengel Michael und dem heiligen Demetrios von Thessaloniki bildet der heilige Georg das Dreigestirn der großen Kriegerheiligen der byzantinischen Tradition. Aber anders als Demetrios ist Georg wirklich universell: Er wird in der orthodoxen, der katholischen, der anglikanischen und der lutherischen Kirche verehrt — und sogar im Islam, wo er mit dem Propheten Al-Khadr («der Grüne») identifiziert wird. Wie OrthodoxWiki festhält, ist er «Schutzpatron Moskaus, Georgiens und Englands, unter anderem.»
Der Tropaïophoros — der orthodoxe Titel des heiligen Georg
Der Titel Tropaïophoros (Τροπαιοφόρος) kommt vom griechischen tropaion (Trophäe, Sieg) und phoros (Träger). Im griechisch-römischen Altertum war das tropaion das Denkmal, das auf dem Schlachtfeld zur Erinnerung an den Sieg errichtet wurde. Der heilige Georg ist derjenige, der die Siegestrophäe des christlichen Glaubens auf dem Schlachtfeld der Verfolgung errichtet hat.
In der deutschen Hagiographie wird er auch «Georg der Siegreiche» genannt — eine direkte Übersetzung des griechischen Titels. In der georgischen Sprache heißt er Giorgi — und die georgische Nationalhymne ruft ihn namentlich an.
Das Leben des heiligen Georg
Kappadokische und palästinensische Herkunft
Der heilige Georg wird um 280 in einer christlichen Familie in Kappadokien geboren. Sein Vater, selbst römischer Offizier, stirbt als Märtyrer für seinen Glauben. Seine Mutter, eine Frau aus Lydda in Palästina (dem heutigen Lod, Israel), kehrt nach dem Tod ihres Mannes in ihre Heimatstadt zurück und erzieht ihren jungen Sohn in christlicher Frömmigkeit. Diese doppelte Identität erklärt, warum der heilige Georg sowohl in Kappadokien als auch im Heiligen Land besonders verehrt wird.
Der römische Offizier
Georg tritt in die Fußstapfen seines Vaters und tritt in die römische Armee ein. Er war noch in seinen Zwanzigern, als die Diokletianische Verfolgung ausbrach. Bevor er nach Nikomedien ging, verteilte er all sein Vermögen an die Armen, befreite seine Sklaven und begab sich zum kaiserlichen Hof.
Die Konfrontation mit Diokletian
Im Jahr 303 rief Diokletian alle östlichen Gouverneure nach Nikomedien, um ihnen seine Edikte gegen die Christen bekanntzumachen. Georg, der spürte, dass die Stunde gekommen war, seinen Glauben öffentlich zu bekennen, erschien mitten in der Versammlung und warf dem Kaiser vor, unschuldiges Blut zu vergießen. Diokletian, wütend und erstaunt, befahl sofort seine Folterung.
Die sieben Folterungen des heiligen Georg
- Das Säbelrad — Georg wird auf ein mit Klingen besetztes Rad gespannt. Er überlebt.
- Die Löschkalkgrube — drei Tage lang in eine Grube voll Löschkalk geworfen. Er kommt unversehrt heraus — wie die Drei Jünglinge im babylonischen Feuerofen — woraufhin die Menge ruft: «Groß ist der Gott des Georg!»
- Die glühenden Eisenschuhe — gezwungen, in mit glühenden Nägeln gespickten Schuhen zu gehen.
- Das zweite Rad — eine zweite Folterung mit schärferen Klingen.
- Das Gift — ein Zauberer namens Athanasios lässt ihn Gift schlucken. Georg betet — das Gift bleibt wirkungslos. Athanasios bekehrt sich zum Christentum.
- Die Totenerweckung — Georg erweckt einen seit Jahren Verstorbenen zum Leben und bewirkt die Bekehrung Hunderter von Zeugen — darunter der Kaiserin Alexandra, der Frau Diokletians.
- Die Zerstörung des Apollotempels — zum Opfern in den Apollotempel geführt, macht Georg das Kreuzzeichen — und alle Götzenbilder stürzen ein.
Das Martyrium
Nach unzähligen Folterungen wird Georg am 23. April 303 vor den Mauern Nikomediens enthauptet. Sein Diener bringt seine Reliquien nach Palästina, nach Lydda, wo sie ehrenvoll bestattet werden. Die Kaiserin Alexandra, die sich durch das Zeugnis seines Martyriums zum Christentum bekannt hatte, wird ebenfalls hingerichtet — die orthodoxe Kirche feiert sie am 21. April. Bereits unter Kaiser Konstantin (306–337) wird in Lydda eine Kirche zu Ehren des heiligen Georg errichtet. Seine Reliquien werden noch heute in der Georgskathedrale in Lod (Israel) verehrt.
Der heilige Georg und der Drache — theologische Bedeutung
Nach einem siegreichen Feldzug, auf der Durchreise durch Pamphylien, befreit Georg die Tochter eines Königs, die einem schrecklichen Drachen ausgeliefert worden war, und tötet das Ungeheuer durch die ihm von seinem Glauben gegebene göttliche Kraft. Stauend über diese Demonstration der Kraft, die Christus seinen Getreuen gegen die Mächte des Bösen verleiht, bekehren sich alle heidnischen Einwohner der Gegend zum Christentum.
In der orthodoxen Ikonographie und Theologie ist der Drache kein reales Tier — er ist das Symbol Satans selbst. Die Ikone zeigt den Märtyrer als Sieger: Georg reitet auf seinem weißen Streitross, sein rotes Martyriumsgewand weht hinter ihm, und die segnende Hand Christi ist oben in der Ikone sichtbar. Der älteste bekannte Text der Drachenepisode ist ein georgischer Text aus dem 11. Jahrhundert.
Im deutschsprachigen Raum ist Georg als Drachentöter seit dem Mittelalter tief verwurzelt: Das berühmte Georgsrelief am Georgsturm des Freiburger Münsters und die zahlreichen mittelalterlichen «Georgskapellen» in Bayern, Österreich und der Schweiz zeugen von einer jahrhundertelangen Volksverehrung, die Katholiken und Orthodoxe gemeinsam teilen.
Das Fest am 23. April
Das Hauptfest des heiligen Georg wird am 23. April (Gregorianischer Kalender) oder am 6. Mai (Julianischer Kalender) begangen. Fällt der 23. April in die Karwoche oder die Große Fastenzeit, wird das Fest auf den Ostermontag verlegt — weil einige Troparien des Festes explizite Bezüge zur Auferstehung enthalten, die mit der Bußzeit unvereinbar sind. Ein zweites Fest wird am 3. November begangen (Überführung der Reliquien nach Lydda).
In Georgien ist der 23. April (Giorgoba) ein Nationalfeiertag. In Deutschland und Österreich feiern die orthodoxen Gemeinden den Georgstag mit feierlicher Göttlicher Liturgie. Der Georgstag ist im deutschsprachigen Volkskalender tief verwurzelt — in Bayern und Österreich werden am Georgstag traditionell Pferde gesegnet, eine Praxis, die Georg als Schutzpatron der Reiter widerspiegelt.
Die Patrozinien des heiligen Georg
- Nationen: Georgien, England, Äthiopien, Katalonien, Litauen
- Städte: Moskau, Beirut, Lod (Lydda), Genua, Barcelona
- Berufe: Soldaten, Ritter, Reiter, Pfadfinder, Bogenschützen, Bauern, Hirten
- Schutz: gegen Pest, Lepra, giftige Schlangen
Die Ikone des heiligen Georg
- Stehender Großmärtyrer — in römischer Rüstung, mit Lanze und Schild, goldenem Heiligenschein.
- Georg, der den Drachen besiegt — auf einem weißen Streitross, eine Lanze in den roten/schwarzen Drachen rammend, die Königstochter im Gebet hinter ihm, die segnende Hand Christi in der oberen Ecke der Ikone.
Die Ikone des heiligen Georg ist eines der beliebtesten Namenstaggeschenke am 23. April. Sie kann im Gebetswinkel aufgestellt oder als Anhänger getragen werden.
FAQ — Häufige Fragen zum orthodoxen heiligen Georg
Wer ist der heilige Georg in der Orthodoxie?
Der heilige Georg ist ein Großmärtyrer und Tropaïophoros (Siegesträger) der orthodoxen Kirche, der am 23. April 303 in Nikomedien das Martyrium erlitt. Als römischer Offizier aus einer christlichen kappadokischen Familie weigerte er sich, an der Diokletianischen Verfolgung teilzunehmen, bekannte öffentlich seinen Glauben, überstand sieben Folterungen ohne Glaubensabfall und wurde schließlich enthauptet.
Wann ist das Fest des heiligen Georg in der Orthodoxie?
Das Hauptfest ist der 23. April (Gregorianischer Kalender) oder der 6. Mai (Julianischer Kalender). Fällt es in die Karwoche oder Fastenzeit, wird es auf den Ostermontag verlegt. Ein zweites Fest ist der 3. November (Reliquienüberführung).
Was bedeutet der Titel «Tropaïophoros»?
Tropaïophoros (Τροπαιοφόρος) bedeutet «Trophäenträger» oder «Siegesträger». Im griechisch-römischen Altertum war das tropaion das Siegesdenkmal auf dem Schlachtfeld. Der heilige Georg hat die Siegestrophäe des christlichen Glaubens auf dem Schlachtfeld der Verfolgung errichtet.
Was ist die Verbindung zwischen dem heiligen Georg und Deutschland?
Der heilige Georg ist im deutschsprachigen Raum seit dem Mittelalter tief verwurzelt. Der Georgsdom zu Limburg an der Lahn ist ihm geweiht. In Bayern und Österreich werden am Georgstag (23. April) traditionell Pferde gesegnet. Zahlreiche «Georgskapellen» und Georgskirchen zeugen von einer jahrhundertelangen Volksverehrung. Außerdem ist Georg der Schutzpatron der deutschen Pfadfinderbewegung.
Was symbolisiert der Drache in der Ikone des heiligen Georg?
In der orthodoxen Tradition symbolisiert der Drache Satan und die Mächte des Bösen. Die Ikone des drachentötenden Georg stellt den Sieg Christi (symbolisiert durch den Heiligen) über den Teufel, den Tod und die Angst dar. Die segnende Hand Christi in der oberen Ecke der Ikone bestätigt, dass Er es ist, der seinem Märtyrer den Sieg schenkt.