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In der orthodoxen Tradition trägt die Gottesmutter viele Namen — jeder offenbart einen anderen Aspekt ihrer mütterlichen Liebe zur Menschheit. Gorgoepikoos ist der Name der dringlichen Hoffnung: jener, den man ausspricht, wenn die Situation keinen Aufschub duldet, wenn das Gebet jetzt erhört werden muss. Es ist der Titel, den die Mutter Gottes sich selbst gegeben hat, in einer Erscheinung vor einem Mönch des Heiligen Bergs Athos im 17. Jahrhundert. Und unter diesem Namen — «Die schnell Erhörende» — wenden sich Millionen von Gläubigen, von Athoniten-Mönchen bis zu orthodoxen Familien in der Diaspora, an sie in ihren schwersten Stunden. In den orthodoxen Gemeinden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ist dieser Titel besonders in griechischen Gemeinden bekannt und verehrt.
Was ist die Panagia Gorgoepikoos?
Die Panagia Gorgoepikoos (griechisch: Παναγία Γοργοεπήκοος) ist zugleich ein Titel der Gottesmutter, der Name einer Wunderikone und der Name mehrerer ihr gewidmeter Klöster und Kirchen in der orthodoxen Welt. Der Begriff Gorgoepikoos (Γοργοεπήκοος) ist ein Kompositum aus dem Griechischen gorgo (γοργός — schnell, bereit) und epikoos (ἐπήκοος — der hört, der erhört) — wörtlich: «Die schnell hört und erhört.»
In der orthodoxen Tradition ist dieser Titel keine bloße poetische Metapher — es ist ein direktes Versprechen der Gottesmutter selbst, formuliert bei einem Wunder im Kloster Docheiariou auf dem Heiligen Berg Athos im Jahr 1664 und im Synaxarion des Klosters von dem heiligen Nikodemos dem Hagiorithen festgehalten: «Ich bin die Hüterin dieses Klosters und erhöre schnell alle, die mich anrufen. Deshalb werde ich Gorgoepikoos genannt.» Dieses Versprechen reicht weit über die Mauern des Athoniten Klosters hinaus — es gilt allen Gläubigen, die sich in ihren Nöten an sie wenden.
Der Titel «Gorgoepikoos» — Etymologie und theologische Bedeutung
Der Titel Gorgoepikoos drückt eine tiefe theologische Wirklichkeit aus: Die Fürbitte der Gottesmutter ist nicht passiv oder fern — sie ist aktiv, schnell und wirksam. In der orthodoxen Tradition ist Maria die Mésitria (Mittlerin) und die Paraklitissa (Fürsprecherin) schlechthin — aber die Gorgoepikoos fügt eine Dimension der Schnelligkeit und Dringlichkeit hinzu, die sie von allen anderen Marientiteln unterscheidet.
Das griechische Wort gorgo (γοργός) bezeichnet Schnelligkeit, aber auch Eifer und Intensität — eine Schnelligkeit, die nicht oberflächlich, sondern zutiefst engagiert ist. Die Gorgoepikoos erhört Gebete «schnell» nicht weil sie es eilig hat — sondern weil sie ganz den Bedürfnissen ihrer Kinder zugewandt ist. Epikoos (ἐπήκοος) ist dasselbe Wort, das Homer für Götter verwendet, die die Gebete der Krieger erhören — im Munde der orthodoxen Gottesmutter erhält es eine eschatologische Dimension: Sie erhört, weil sie unaufhörlich vor ihrem Sohn Fürbitte einlegt.
In der griechisch-orthodoxen Volkstradition wird die Gorgoepikoos besonders für dringende Bedürfnisse angerufen — eine plötzliche Krankheit, eine unmittelbare Gefahr, eine schnell zu treffende Entscheidung. Wo andere Ikonen der Gottesmutter mit spezifischen Schutzfunktionen verbunden sind (das Meer, Reisende, Sterbende), ist die Gorgoepikoos die Gottesmutter der Dringlichkeit — für alles, was nicht warten kann.
Die Ikone von Docheiariou — Geschichte und Beschreibung
Im Synaxarion des Klosters Docheiariou hält der heilige Nikodemos der Hagiorite fest, dass die heilige Ikone der Gottesmutter Gorgoepikoos vom Gründer des Klosters, Neophytos, im 11. Jahrhundert gemalt wurde. Sie ist damit eine der ältesten Athoniten Ikonen, deren Autor bekannt ist — und eine der wenigen, deren Tradition die Entstehung direkt mit einem Klostergründer verbindet.
Die Ikone ist ein Wandfresko (keine Ikone auf Holz) — an die äußere östliche Wand des Refektoriums des Klosters gemalt, rechts vom Eingang. Sie ist die bekannteste Wunderikone des Heiligen Bergs nach der Portaitissa des Klosters Iviron. Diese besondere Lage — an einer Außenwand, in einem Durchgangsgang — steht im Mittelpunkt des Wunders, das ihr den Namen gegeben hat.
Das Kloster Docheiariou nimmt den 10. Rang in der Hierarchie der zwanzig Athoniten Klöster ein. Es wurde Ende des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts von Euthymios, einem Schüler des heiligen Athanasios des Athoniten — des Gründers der Großen Lavra — gegründet. Der Name «Docheiariou» leitet sich vom griechischen Begriff docheiaris (Kellermeister, Vorratswächter) ab — das Amt, das Euthymios in der Großen Lavra innehatte, bevor er sein Kloster gründete.
Das Wunder von 1664 — der Mönch Neilos und die Stimme der Ikone
Das Wunder, das der Ikone ihren Titel und ihren weltweiten Ruhm gegeben hat, ereignete sich 1664 im Kloster Docheiariou. Es ist ausführlich im Synaxarion des Klosters festgehalten, wie es der heilige Nikodemos der Hagiorite (1749–1809) aufgezeichnet hat.
Im Jahr 1664 pflegte der Trapezares (der für das Refektorium verantwortliche Mönch) Neilos regelmäßig mit einer brennenden Fackel an der Ikone vorbeizugehen, die er für seine Dienste im Refektorium benötigte. Dabei hörte er eine Stimme, die ihm sagte: «Geh nicht mit einer Fackel an mir vorbei und lass keinen Rauch auf meine Ikone.»
Neilos schenkte der Stimme keine Beachtung, doch sie ließ sich wieder hören, schickte ihm eine Strafe und ließ ihn erblinden. Die plötzliche Erblindung des Mönchs verursachte große Bestürzung im Kloster. Die Brüder begannen, beim Vorbeigehen an der Ikone große Ehrerbietung zu zeigen, hängten eine ewige Lampe davor auf und ordneten an, dass der neue Trapezares täglich Weihrauch vor ihr verbrennen sollte.
Der blinde Neilos verbrachte alle seine Zeit vor der Ikone, inständig die Gottesmutter um Vergebung und Heilung bittend. Sein Gebet wurde erhört, als zum dritten Mal eine Stimme aus der Ikone erklang, die Neilos sagte, dass seine Bitte erhört worden sei, und dass es ihrer Obhut — nach Gott — und ihrer fürsorglichen Hut sei, auf die die Mönche von nun an für alle ihre Bedürfnisse zurückgreifen sollten. Sie würde sie schnell erhören, denn ihr Name sei «Gorgoepikoos».
Dieses Wunder enthält mehrere Ebenen theologischer Bedeutung. Zunächst die Tatsache, dass die Gottesmutter sich selbst benennt — «mein Name ist Gorgoepikoos» — was dem Titel in der orthodoxen Tradition eine absolut einzigartige Autorität verleiht. Kein anderer Titel der Gottesmutter wurde so direkt aus ihrem eigenen Munde empfangen. Dann die Bedingung der Erhörung: die aufrichtige Reue des Neilos. Die Gorgoepikoos erhört schnell — aber sie erhört jene, die mit zerknirschen Herzen beten.
Die Kapelle der Gorgoepikoos in Docheiariou
Nach dem Wunder von 1664 wurde der Gang, wo sich die Ikone befand, geschlossen und eine der Gottesmutter Gorgoepikoos geweihte Kapelle errichtet. Die verehrungswürdige Wunderikone der Gottesmutter Gorgoepikoos, Patronin des Klosters, ist von erheblicher Bedeutung, ebenso wie die gleichnamige Kapelle aus dem Jahr 1723.
Die Kapelle, bedeckt mit Fresken aus dem Jahr 1744, besitzt einen Ikonostas, der 1760 vom Mönch Raphael des Klosters Simonopetra geschaffen wurde. Vor dem Fresko brennen ununterbrochen zahlreiche Kerzen. Da das Fresko an der Westwand ist, wurde 1723 auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges eine separate Kapelle gebaut, damit ihr Heiligtum nach Osten ausgerichtet ist. Ein besonderer Priestermönch, der Prosmonarios (Wächter des Heiligtums), ist ganztägig für die Bedürfnisse der Pilger zuständig.
Das Fest am 1. Oktober
Die Synaxis der Allheiligen Gottesmutter Gorgoepikoos wird am 1. Oktober begangen. Dieses Fest wird im Kloster Docheiariou mit einer feierlichen Liturgie und einer Prozession der Ikone durch die Klosterhöfe gefeiert — eine der schönsten liturgischen Feiern des Athoniten Kalenders.
In orthodoxen Kirchengemeinden weltweit ist der 1. Oktober Anlass, den Akathist zur Gorgoepikoos zu singen — eine hymnographische Komposition, die diesem besonderen Titel der Gottesmutter gewidmet ist, verfügbar in orthodoxen Gebetbüchern. In den orthodoxen Gemeinden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wird dieses Fest in griechischen Pfarrgemeinden besonders feierlich begangen.
Die Verehrungsorte der Gorgoepikoos in der Welt
Das Kloster Docheiariou — Heiliger Berg Athos
Es ist der Ursprungsort der Wunderikone. Das Kloster liegt an der Südwestküste des Heiligen Bergs Athos, zwischen den Klöstern Xenophontos und Konstamonitou. Der Zugang zum Heiligen Berg ist Männern mit einem Diamonitirion (Athos-Pilgerausweis) vorbehalten. Unser Leitfaden zur orthodoxen Pilgerreise erklärt, wie man diese Reise organisiert.
Die Mikri Mitropoli in Athen — die Gorgoepikoos-Kirche
Diese kleine byzantinische Kirche aus dem 12. Jahrhundert, eingeklemmt zwischen der Metropolitankathedrale Athens und dem Viertel Monastiraki, ist eines der am besten erhaltenen byzantinischen Denkmäler der griechischen Hauptstadt. Die Griechen nennen sie gewöhnlich «Μικρή Μητρόπολη» (Kleine Metropolis). Ihre Außenwände sind mit zahlreichen Spolia geschmückt — architektonischen Elementen aus antiken Bauwerken — was diese Kirche zu einem lebendigen Palimpsest der Geschichte Athens von der Antike bis Byzanz macht. Sie ist ein unverzichtbarer Besuch für jeden orthodoxen Pilger, der Athen durchquert.
Das Gorgoepikoos-Kloster in Mandra, Attika
Das heilige Kloster der Panagia Gorgoepikoos ist dem Kult der Gottesmutter gewidmet, da die dort aufbewahrte Ikone der Allheiligsten Gottesmutter eine Kopie der Originalikone ist, die sich im heiligen Kloster Docheiariou auf dem Heiligen Berg Athos befindet. Dieses Frauenkloster, 1975 in der Region Mandra in Attika gegründet, empfängt jedes Jahr Tausende von Pilgern — Männer und Frauen gleichermaßen.
Wie man vor der Ikone Gorgoepikoos betet
Die orthodoxe Tradition bietet ein besonderes Gebet zur Panagia Gorgoepikoos an, das vor ihrer Ikone im Gebetswinkel gesprochen werden kann:
O Herrin Gorgoepikoos, allerhöchst gepriesene Herrin, erhöre unsere Gebete und unsere Bedürfnisse. Du, die Du bereit bist, die Bitten Deiner Diener zu erhören, zögere nicht, uns in unseren Nöten beizustehen, Du, die Du unsere Hoffnung und unser Zuflucht nach Gott bist. Amen.
Wie bei jeder Ikonenverehrung in der orthodoxen Tradition zündet man eine Kerze vor der Ikone an, macht drei Kniebeugen (oder drei Verbeugungen je nach liturgischer Jahreszeit), küsst die Ikone und verweilt einen Moment in Stille, bevor man sein Gebet ausspricht. Der Akathist zur Gorgoepikoos — in orthodoxen Gebetbüchern erhältlich — kann vollständig für dringende Anliegen gesungen werden.
Die Ikone Gorgoepikoos im orthodoxen Heim
Die Ikone der Panagia Gorgoepikoos ist eine der meistgefragten Gottesmutter-Ikonen für das orthodoxe Heim — besonders von Familien, die schwierige oder dringende Zeiten durchmachen. Sie wird auch als Schutzanhänger für jene getragen, die sich in einer Notsituation befinden.
Kopien der Originalikone aus Docheiariou — nach traditionellen byzantinischen Ikonographietechniken hergestellt — sind in den Klosterläden des Athos und in orthodoxen Ikonographiewerkstätten auf der ganzen Welt erhältlich. Die Tradition empfiehlt, die Ikone der Gorgoepikoos im Gebetswinkel der Familie aufzustellen, neben der Ikone Christi und einer Ikone des Familienpatrons.
FAQ — Häufige Fragen zur Panagia Gorgoepikoos
Was bedeutet Gorgoepikoos?
Gorgoepikoos (Γοργοεπήκοος) bedeutet auf Griechisch «Die schnell hört und erhört». Es ist ein Kompositum aus gorgo (γοργός — schnell, bereit) und epikoos (ἐπήκοος — der hört, der erhört). Es ist ein Titel, den die Gottesmutter sich selbst beim Wunder im Kloster Docheiariou im Jahr 1664 gegeben hat.
Wo befindet sich die Originalikone der Gorgoepikoos?
Die Originalikone ist ein Wandfresko im Kloster Docheiariou auf dem Heiligen Berg Athos (Griechenland). Sie befindet sich in einer ihr gewidmeten Kapelle, die 1723 erbaut wurde, an der Wand des Ganges, der zum Refektorium des Klosters führt. Der Zugang zum Heiligen Berg ist Männern mit einem Diamonitirion vorbehalten.
Wann ist das Fest der Panagia Gorgoepikoos?
Die Synaxis der Panagia Gorgoepikoos wird am 1. Oktober im orthodoxen Kalender gefeiert. Es ist ein besonderer Festtag im Kloster Docheiariou mit feierlicher Liturgie und Prozession der Ikone.
Für welche Anliegen betet man zur Gorgoepikoos?
Die Gorgoepikoos wird für alle dringenden Bedürfnisse angerufen — plötzliche Krankheiten, unmittelbare Gefahren, wichtige Entscheidungen, Notlagen, in denen eine schnelle Antwort nötig ist. In der Athoniten Tradition ist sie auch die Hüterin des Klosters Docheiariou und aller, die sich ihrer Obhut anvertrauen. Ihr Versprechen ist universell: Sie erhört schnell alle, die sie mit Glauben und Reue anrufen.
Was ist der Unterschied zwischen Gorgoepikoos und Portaitissa?
Die Portaitissa («Hüterin der Pforte») des Klosters Iviron und die Gorgoepikoos des Klosters Docheiariou sind die beiden meistverehrten Wunderikonen des Heiligen Bergs Athos. Die Portaitissa ist mit dem allgemeinen Schutz des Heiligen Bergs verbunden; die Gorgoepikoos mit der schnellen Fürbitte für die Bedürfnisse der Gläubigen. Beide sind mittelalterliche Wandfresken mit einer langen Geschichte gut dokumentierter Wunder.
Kann man die Gorgoepikoos verehren, ohne den Heiligen Berg Athos zu besuchen?
Ja — authentische Kopien der Gorgoepikoos-Ikone sind in vielen orthodoxen Kirchengemeinden weltweit erhältlich. Das Gorgoepikoos-Kloster in Mandra (Attika, Griechenland) bewahrt eine Kopie der Originalikone und ist sowohl für Frauen als auch für Männer zugänglich. Ikonographische Kopien nach traditionellen Athoniten Techniken sind in auf orthodoxe Ikonen spezialisierten Läden erhältlich.