La Rencontre du Seigneur : guide complet de la grande fête orthodoxe

Die Begegnung des Herrn: vollständiger Leitfaden zum großen orthodoxen Fest

Es gibt einen alten Mann im Lukasevangelium, über den man fast nichts weiß — weder sein genaues Alter noch seine Familie noch seinen Beruf — aber von dem man eines Wesentlichen weiß: Er wartet. Er wartet seit Jahrzehnten, vielleicht sein ganzes Leben lang, auf etwas, das er vielleicht niemals sehen wird. Der Heilige Geist hat ihm verheißen, dass er nicht sterben werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen habe. Und er wartet. Jeden Morgen betritt er den Tempel. Er schaut in die Gesichter. Er wartet. Und dann, an einem Tag, betritt eine junge Frau den Tempel mit einem Neugeborenen auf dem Arm, und er weiß. Er tritt vor, nimmt das Kind in seine alten Arme und spricht die Worte, die die Kirche niemals aufhören wird zu singen: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden gehen." Dieser alte Mann heißt Simeon. Und seine Geschichte steht im Herzen des Festes, das die orthodoxe Kirche am 2. Februar feiert.

Die Heilige Begegnung unseres Herrn, Gottes und Erlösers Jesus Christus — auf Griechisch Hypapante tou Kyriou, „die Begegnung mit dem Herrn" — ist eines der zwölf großen Feste der orthodoxen Kirche, des Dodekaorton. Gefeiert jedes Jahr am 2. Februar in den Kirchen des gregorianischen Kalenders und am 15. Februar in jenen des julianischen Kalenders, begeht es die Begegnung zwischen dem Christkind und dem gerechten Simeon im Tempel zu Jerusalem, vierzig Tage nach der Geburt Christi. Es ist das letzte der großen Feste des Geburtszyklus — und, wie wir sehen werden, in vielerlei Hinsicht das geheimnisreichste.

Simeon: ein Mann, der auf den Trost Israels wartete

Um die Begegnung des Herrn zu verstehen, muss man zunächst Simeon verstehen. Das Lukasevangelium (2, 25–35) beschreibt ihn in vier Worten: „gerecht und fromm, auf den Trost Israels wartend". Gerecht — das heißt treu dem Gesetz. Fromm — das heißt in beständigem Gebet. Wartend — das heißt ganz ausgerichtet auf etwas, das noch nicht da ist. Diese drei Eigenschaften machen Simeon zur Idealfigur des treuen Israel — dem lebendigen Inbegriff all jener, die den Verheißungen geglaubt haben, ohne ihre Erfüllung zu sehen: Abraham, Mose, die Propheten, alle Gerechten des Alten Bundes, die in der Hoffnung auf eine noch ausstehende Verheißung gelebt haben.

Die patristische und liturgische Überlieferung der Orthodoxie hat dieses knappe Evangelienporträt bereichert. Manchen alten Texten zufolge war Simeon einer der siebzig Übersetzer der hebräischen Bibel ins Griechische — die Verfasser der Septuaginta — und soll mehrere Jahrhunderte gelebt haben. Als er die Jesajastelle übersetzte, die ankündigt, dass „die Jungfrau empfangen und einen Sohn gebären wird" (Jes 7, 14), habe er das Wort „Jungfrau" in „junge Frau" ändern wollen, weil er das Vorhaben für biologisch unmöglich hielt — und ein Engel habe ihn daran gehindert, ihm verheißend, er werde leben, bis er die Erfüllung dieser Prophezeiung sehe. Ob Geschichte oder fromme Legende — dieser Bericht sagt etwas Wesentliches über das Wesen des Glaubens aus: der Glaube, der das ernst nimmt, was die menschliche Vernunft für unmöglich hält.

Was sicher ist: Simeon wartete. Und Simeons Warten ist das Urbild alles christlichen Wartens — des beständigen Advents der Kirche, die auf die Wiederkunft ihres Herrn wartet. Als er das Kind in seine Arme nimmt, hält die ganze harrende Menschheit, die ganze Hoffnung der Geschichte, endlich in seinen Händen das, wofür sie erschaffen worden war.

Vier Personen, eine einzige Begegnung

Das Fest der Begegnung des Herrn bringt vier Personen auf die Bühne, jede mit einer eigenen theologischen Bedeutung im Heilsgeschehen.

Das Jesuskind: der Herr, der in seinen eigenen Tempel kommt

Die erste Person ist äußerlich die unauffälligste: ein vierzig Tage altes Neugeborenes, auf dem Arm getragen, außerstande zu sprechen. Und doch ist er der Herr des Tempels, in den er einzieht. In dieser Geste liegt ein ergreifendes Paradox, das die orthodoxe Liturgie ausgiebig kommentiert: Der Herr des Hauses wird wie ein Fremder in seine eigene Wohnung getragen. Derjenige, der den Bau des ersten Tempels durch Salomo angeordnet hatte, kommt nun, als kleines Kind, in eben diesen Tempel — namenlos, abhängig, still. Es ist dasselbe Mysterium der Demut wie bei der Geburt Christi, aber in einem anderen Umfeld.

Maria und Josef: der Gehorsam gegenüber dem Gesetz

Die zweite und dritte Person sind Maria und Josef. Sie kommen, um zwei Vorschriften des Gesetzes Mose zu erfüllen: die Reinigung der Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Knaben (Lev 12, 2–8) und die Weihe des erstgeborenen Sohnes an den Herrn (Ex 13, 2; 13, 11–13). Die Gottesmutter, die nicht gesündigt hat und daher keine Reinigung braucht, unterwirft sich dennoch aus Demut diesem Gesetz — und weil Christus selbst sich ihm unterwirft. Ihr Opfer — „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben" (Lk 2, 24) — ist das der Armen, entsprechend dem Gesetz. Die Gottesmutter und der Sohn Gottes treten als Arme in den Tempel ein, ohne Glanz, ohne Geleit, ohne besonderes Zeichen.

Anna die Prophetin: die Stimme der kommenden Kirche

Die vierte Person wird oft vergessen, ist aber theologisch bedeutsam: Anna, die Tochter Phanuels, seit vielen Jahren Witwe, die „den Tempel nicht verließ und Gott nacht und tags mit Fasten und Beten diente" (Lk 2, 37). Anna verkörpert die ekklesiologische Dimension der Anerkennung — wo Simeon das treue Israel ist, das den Messias empfängt, ist Anna die Gestalt der Kirche, die allen die Ankunft des Erlösers verkündet. Sie beginnt, „allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten, von dem Kind zu reden" (Lk 2, 38) — erster Akt der missionarischen Verkündigung des Evangeliums.

Das Nunc Dimittis: der Gesang eines Mannes, der in Frieden sterben kann

Der theologische und dichterische Höhepunkt des Ereignisses ist der Lobgesang Simeons — in der lateinischen Tradition bekannt unter dem Namen Nunc Dimittis, nach seinen ersten lateinischen Worten — einer der schönsten und meistgeliebten Texte der gesamten christlichen Überlieferung:

„Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden gehen, wie du es versprochen hast; denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast: ein Licht, das die Völker erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."

— Lobgesang des Simeon (Nunc Dimittis), Lukas 2, 29–32, orthodoxe liturgische Überlieferung

Dieser Lobgesang wird in der orthodoxen Kirche jeden Abend gesungen, beim Komplet — dem Abendgebet vor der Nacht. Es ist das Gebet des Gläubigen, der Christus in sein Leben empfangen hat und nun Nacht und Tod furchtlos begegnen kann. Simeons „in Frieden gehen lassen" ist das Gebet jedes Christen, der Christus durch Glauben und Sakramente in den Armen hält und nun den Tod durchschreiten kann wie Simeon sein langes Warten: in Frieden.

Simeon fügt dann dunklere Worte hinzu, die allein an Maria gerichtet sind: „Dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und auferstehen, und er wird ein Zeichen des Widerspruchs sein — und deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen — damit die Gedanken vieler Herzen aufgedeckt werden." (Lk 2, 34–35) Diese Prophezeiung des Schwertes, das Marias Seele durchdringen wird, ist einer der Schlüssel der orthodoxen marianischen Spiritualität: Die Gottesmutter ist die Erste, die das Kreuz ihres Sohnes trägt — schon vierzig Tage nach seiner Geburt.

Das Scharnierfest: zwischen Weihnachten und Ostern

Die Begegnung des Herrn nimmt im orthodoxen Kirchenkalender eine einzigartige Stellung ein: Sie ist das Scharnier zwischen dem Geburtszyklus und dem österlichen Zyklus. Vierzig Tage nach Weihnachten schließt sie die Zeit der Geburt Christi endgültig ab. Und zugleich lassen Simeons Worte über Sturz, Auferstehung und Schwert bereits die Akzente der Passion anklingen — Weihnachten ist nicht nur ein Fest der Sanftheit und des Lichts, es trägt in sich die Keime des Kreuzes.

Die orthodoxe Überlieferung nennt die Begegnung des Herrn bisweilen das „Fest auf halbem Weg" — nicht im mathematischen, sondern im geistlichen Sinn: Es ist der Moment, in dem die Kirche den Blick von der Krippe zum Kreuz wendet, von der Weihnachtsfreude zum Ernst der bevorstehenden Großen Fastenzeit. In manchen Klosterkalendern eröffnet die Begegnung des Herrn sogar eine Vorbereitungszeit auf die Große Fastenzeit.

Diese Scharnierlage kommt auch in der doppelten Natur des Festes zum Ausdruck. Die Begegnung des Herrn ist im orthodoxen Kalender offiziell unter den Herrenfesten eingeordnet — nicht unter den Marienfesten. Und doch wendet sich ihr Troparion an die Gottesmutter („Freue dich, du Gnadenerfüllte..."), und die Liturgie ehrt sowohl das Kind als auch seine Mutter. Sie ist eines der wenigen großen Feste des Dodekaorton, das vollständig zugleich Herren- und Gottesmutterfest ist.

Historische Ursprünge des Festes

Die Begegnung des Herrn gehört zu den ältesten christlichen Festen. Sie ist in Jerusalem bereits im 4. Jahrhundert bezeugt, wo die Pilgerin Egeria sie in ihrem Reisebericht (um 381–384) als bereits eingeführte Feier beschreibt, die vierzig Tage nach dem 6. Januar (Epiphanie in Jerusalem) — also am 14. Februar — begangen wurde. Nach der Verlegung von Weihnachten auf den 25. Dezember fand das Fest am 2. Februar seinen Platz.

Im Jahr 542 verlieh Kaiser Justinian dem Fest eine neue Bedeutung. Eine schwere Pestepidemie verwüstete Konstantinopel. Der Überlieferung nach empfing ein Christ die Eingebung, zu Ehren der Begegnung des Herrn eine große Prozession mit brennenden Kerzen zu veranstalten — und die Pest hörte auf. Justinian erklärte das Fest für offiziell und allgemein verbindlich im gesamten Byzantinischen Reich und erhob es in den Rang der großen Herrenfeste. Auf dieses Ereignis geht wahrscheinlich die Tradition der gesegneten Kerzen zu Mariä Lichtmess zurück, die sowohl im Orient als auch im Okzident bewahrt wurde.

Der 2. Februar: ein festes Datum in beiden Kalendern

Die Begegnung des Herrn ist ein Fest mit festem Datum. Die Kirchen des revidierten gregorianischen Kalenders — Ökumenisches Patriarchat, Griechisch-Orthodoxe Kirche, Rumänisch-Orthodoxe Kirche, Patriarchat von Antiochia — feiern es am 2. Februar. Die Kirchen des julianischen Kalenders — Russisch-Orthodoxe Kirche, Serbisch-Orthodoxe Kirche, Georgisch-Orthodoxe Kirche, Kirche von Jerusalem — feiern es am 15. Februar gregorianischer Zählung, was ihrem julianischen 2. Februar entspricht. Fällt das Fest in die Käsewoche (die Woche vor der Großen Fastenzeit), erhalten die Gottesdienste nach den Regeln des Typikons eine angepasste Liturgie.

Liturgie und Ikonographie

Die Gottesdienste und Hymnen

Am Vorabend des Festes (1. Februar) wird die Große Vesper mit Litia gefeiert. Drei alttestamentliche Lesungen werden verkündet: Stellen aus dem Exodus, dem Levitikus und dem Buch Numeri, die die Weihe der Erstgeborenen an den Herrn betreffen und die Ankunft Christi im Tempel vorausbilden. Die Göttliche Liturgie des 2. Februar verkündet als Apostellesung die Stelle aus dem Hebräerbrief 7, 7–17 (Christus, der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks) und als Evangelium jenes des Lukas 2, 22–40 — den vollständigen Bericht der Begegnung.

Das Troparion der Begegnung des Herrn wendet sich an die Gottesmutter — ein seltenes Merkmal für ein Fest, das offiziell unter die Herrenfeste eingeordnet ist:

„Freue dich, du Gnadenerfüllte, Gottesmutter und Jungfrau, denn aus dir ist aufgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott, der die in Finsternis Wohnenden erleuchtet. Freue dich auch du, gerechter Greis, der du auf deinen Armen empfangen hast, der unsere Seelen erlöst und uns die Auferstehung schenkt."

— Troparion der Begegnung des Herrn, Ton 1, orthodoxe liturgische Überlieferung

Das Kontakion des Festes bringt das Mysterium der Begegnung zwischen Altem und Neuem Testament zum Ausdruck:

„Du, der du den Schoß der Jungfrau durch deine Geburt geheiligt und die Hände Simeons gesegnet hast, wie er es verdiente, bist heute zu unserer Rettung frühzeitig gekommen, o Christus, unser Gott. Aber stillle die Kämpfe inmitten der Völker und stärke die Macht deiner Gläubigen, du, der du allein die Menschen liebst."

— Kontakion der Begegnung des Herrn, Ton 1, orthodoxe liturgische Überlieferung

Die dem Fest eigene liturgische Farbe ist Weiß oder Marienblau, je nach lokaler Tradition. Der Apodosis (liturgischer Abschluss) des Festes wird am 9. Februar begangen.

Die Ikone der Begegnung des Herrn

Die Ikone der Begegnung des Herrn stellt die zentrale Szene des Evangeliums in ihrer ganzen theologischen Dichte dar. Im Mittelpunkt hält Simeon das Jesuskind in seinen ausgestreckten, von einem liturgischen Tuch verhüllten Armen — ein Zeichen, dass selbst seine alten Hände nicht würdig sind, den Leib des Herrn unmittelbar zu berühren. Sein Gesicht drückt eine Freude aus, die von grenzenlosem Frieden durchdrungen ist. Ihm gegenüber streckt die Gottesmutter die Arme nach dem Kind aus, mit einem Ausdruck zugleich freudiger und schmerzlicher Ahnung — sie weiß, was Simeon ihr geweissagt hat. Hinter ihr trägt Josef die zwei Tauben des Armenopfers.

Im Hintergrund ist die Prophetin Anna mit einer Schriftrolle in der Hand oder in prophetischer Gebärde dargestellt. Hinter Simeon bilden bisweilen Engel einen unsichtbaren Hof um das Kind. Die gesamte Komposition bringt den Übergang von einem Bund zum anderen zum Ausdruck: Zwei Welten berühren sich — das Alte Testament, verkörpert durch Simeon und Anna, und das Neue Testament, verkörpert durch das Kind und seine Eltern. Die Begegnung findet im Tempel statt — weder außerhalb der Welt noch außerhalb der Geschichte —, sondern genau dort, wo Gott seine Wohnung unter seinem Volk aufgeschlagen hatte.

Die Tradition der gesegneten Kerzen

Die Begegnung des Herrn ist eng mit der Tradition der Kerzen verbunden. Sowohl in der orthodoxen Liturgie als auch in der katholischen Tradition (Mariä Lichtmess) bringen die Gläubigen ihre Kerzen in die Kirche, um sie beim Fest segnen zu lassen. Diese alte Tradition — deren Ursprung mindestens auf Justinians Zeit zurückgeht — versinnbildlicht Christus selbst, den Simeon als „Licht für die Völker" (Lk 2, 32) bezeichnet.

Die zur Begegnung des Herrn gesegnete Kerze wird das ganze Jahr im Haushalt aufbewahrt. Sie wird in wichtigen Momenten angezündet — beim Abendgebet, bei Krankheit, Gewitter oder Gefahr, im Sterbeaugenblick eines geliebten Menschen. Sie erinnert in jedem Haus daran, dass Christus das Licht ist, das nicht erlischt — das Licht, das Simeon in den Armen hielt und das jeder Christ berufen ist, in sein Leben zu tragen.

Die Begegnung des Herrn in den deutschsprachigen orthodoxen Gemeinden

In Deutschland, Österreich und der Schweiz feiern zahlreiche orthodoxe Gemeinden verschiedener Jurisdiktionen die Begegnung des Herrn am 2. Februar mit liturgischer Würde. Im deutschen Sprachraum ist Mariä Lichtmess — wie das Fest im katholischen Umfeld heißt — zwar kein gesetzlicher Feiertag mehr, aber ein tief in der Volkskultur verwurzelter Brauch, der mit Kerzen, Licht und dem Ende der Weihnachtszeit verbunden ist. Für orthodoxe Gläubige in Deutschland und Österreich entsteht durch diese kulturelle Resonanz eine besondere Verbindung zur Umgebung: Die orthodoxe Feier der Begegnung des Herrn mit der Kerzensegnung klingt in vielen deutschen Städten wie ein Echo alter christlicher Wurzeln, die das ganze Land einst teilte. In russischen und rumänischen Gemeinden ist die Segnung der Kerzen nach der Göttlichen Liturgie ein besonders lebendiger und von Familien geliebter Brauch — die gesegneten Kerzen werden sorgfältig nach Hause gebracht und im Laufe des Jahres in den wichtigsten Lebensmomenten entzündet.

FAQ — Häufig gestellte Fragen zur Begegnung des Herrn

Warum sagt man „Begegnung" und nicht „Darstellung" in der orthodoxen Überlieferung?

Der griechische Name Hypapante bedeutet wörtlich „entgegengehen" — und genau dieser Sinn steht im Mittelpunkt des orthodoxen Festes. Die Darstellung ist ein gesetzlicher Ritus, der erstgeborenen Söhnen vorbehalten ist (wie für Christus) — aber das ist nicht das, was das orthodoxe Fest in erster Linie begeht. Es begeht die Begegnung: die Begegnung zwischen dem menschgewordenen Gott und Simeon, zwischen Christus und dem treuen Israel, zwischen Neuem und Altem Testament, zwischen Verheißung und Erfüllung. Der Begriff „Begegnung" drückt die theologische Dynamik des Ereignisses weit treffender aus als „Darstellung".

Wer war Simeon wirklich?

Das Lukasevangelium gibt über Simeon nur sehr wenige Informationen: Er war gerecht und fromm, er wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Die orthodoxe Überlieferung identifiziert ihn mitunter mit einem der Übersetzer der Septuaginta, der mehrere Jahrhunderte gelebt haben soll, wartend darauf, den Messias zu sehen, den er prophezeit hatte. Die orthodoxe Kirche feiert ihn am 3. Februar — am Tag nach der Begegnung — als den heiligen Simeon den Gerechten, den Gottempfänger (Theodochos).

Ist die Begegnung ein Herren- oder ein Marienfest?

Offiziell ist die Begegnung des Herrn im orthodoxen Typikon unter den Herrenfesten eingeordnet — nicht unter den Marienfesten. Und doch wendet sich ihr Troparion an die Gottesmutter, und die Liturgie ehrt sie vollständig. Diese Zweideutigkeit ist beabsichtigt: Das Fest sagt, dass Christus und seine Mutter im Mysterium der Menschwerdung untrennbar sind. Man kann das Kind nicht ehren, ohne diejenige zu ehren, die es trägt; man kann die Theotokos nicht betrachten, ohne denjenigen zu betrachten, den sie trägt. Die Begegnung ist daher in der Tat beides zugleich — was sie zu einem einzigartigen Fest im gesamten Dodekaorton macht.

Wann genau ist die Begegnung des Herrn 2027?

Im Jahr 2027 wird die Begegnung des Herrn am Montag, dem 2. Februar 2027 von den orthodoxen Kirchen des gregorianischen Kalenders (griechisch, rumänisch, antiochenisch usw.) gefeiert und am Sonntag, dem 15. Februar 2027 von den Kirchen des julianischen Kalenders (russisch, serbisch, georgisch).

Wie bereitet man sich auf das Fest der Begegnung des Herrn vor?

Die Vorbereitung umfasst die Teilnahme an der Großen Vesper am Abend des 1. Februar und an der Göttlichen Liturgie am Morgen des 2. Februar. Beichte und Heilige Kommunion werden empfohlen. Es ist Brauch, Kerzen zur Segnung in die Liturgie mitzubringen. Die Betrachtung des Textes von Lukas 2, 22–40 — dem vollständigen Bericht der Begegnung — und des Lobgesangs Simeons (Nunc Dimittis, Lk 2, 29–32) bereitet das Herz auf die Tiefe des Festes vor.

Simeon darf gehen — und auch wir

Die Begegnung des Herrn ist vielleicht das persönlichste aller großen orthodoxen Feste. Es zeigt keine Menschenmassen, keine spektakulären Wunder, keine kosmischen Manifestationen. Es zeigt einen alten Mann, ein Kind, zwei ausgestreckte Arme und ein paar Worte, die alles sagen: „Nun lasse mich in Frieden gehen, denn meine Augen haben dein Heil gesehen."

Es ist das Fest derer, die lange gewartet haben. Das Fest derer, die geglaubt haben, ohne zu sehen. Das Fest derer, die wie Simeon Christus auf ihren Armen halten durch die Sakramente und nun das Leben — und den Tod — in Frieden durchschreiten können. Jede Eucharistie ist eine Begegnung des Herrn: Man hält dasselbe Kind, man spricht dieselben Worte — und kann in Frieden wieder gehen.

Im Jahr 2027 wird dieses Fest am Montag, dem 2. Februar in allen orthodoxen Kirchen des gregorianischen Kalenders gefeiert. Es ist ein Lichttermin mitten im Winter — mit dem alten Simeon, mit Anna der Prophetin, mit der Gottesmutter und ihrem Kind, im Halbdunkel eines Tempels, in den soeben das Licht der Welt eingezogen ist.

„Freue dich, du Gnadenerfüllte, Gottesmutter und Jungfrau, denn aus dir ist aufgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott, der die in Finsternis Wohnenden erleuchtet. Freue dich auch du, gerechter Greis, der du auf deinen Armen empfangen hast, der unsere Seelen erlöst und uns die Auferstehung schenkt."

— Troparion der Begegnung des Herrn, orthodoxe liturgische Überlieferung

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