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Jedes Jahr feiern Millionen orthodoxer Christen auf der ganzen Welt Ostern nach ihren eigenen jahrtausendealten Traditionen — oft an einem anderen Datum als das katholische Osterfest. Ob Sie orthodox sind, einfach neugierig oder nur nach dem genauen Datum suchen: Dieser umfassende Ratgeber erklärt alles — wann das orthodoxe Ostern 2026 stattfindet, warum das Datum abweicht und wie dieses Fest je nach Land und Tradition gefeiert wird.

1. Das Datum des orthodoxen Osterfestes 2026
Das Datum des orthodoxen Osterfestes ist nicht fest, es ändert sich jedes Jahr nach einer Berechnung auf Grundlage des julianischen Kalenders. Im Jahr 2026 fällt es auf den Sonntag, den 12. April — eine Woche nach dem katholischen Ostersonntag am 5. April.
Orthodoxes Ostern 2027, 2028, 2029: die nächsten Termine
Wenn Sie die kommenden Feiern im Voraus planen möchten, hier sind die Daten des orthodoxen Osterfestes für die nächsten Jahre: 2027 fällt es auf den 2. Mai, 2028 auf den 16. April.
Wie Sie sehen, kann das Datum von Jahr zu Jahr erheblich variieren — manchmal um einen ganzen Monat. Dies ist eine direkte Folge der orthodoxen Berechnungsmethode, die wir im folgenden Abschnitt näher erläutern.
2. Warum feiern Orthodoxe und Katholiken Ostern nicht am gleichen Tag?
Wenn Sie schon einmal bemerkt haben, dass das orthodoxe und das katholische Osterfest selten auf denselben Tag fallen, haben Sie sich sicher gefragt, warum. Die Antwort liegt in einem einzigen Wort: dem Kalender.
Der julianische Kalender vs. der gregorianische Kalender
Die katholische Kirche verwendet den gregorianischen Kalender, der 1582 eingeführt wurde und heute in fast allen Teilen der Welt gebräuchlich ist. Die orthodoxe Kirche hingegen berechnet das Osterdatum nach dem julianischen Kalender — einem älteren Kalender, den Julius Cäsar 46 v. Chr. eingeführt hat.
Diese beiden Kalender sind nicht perfekt aufeinander abgestimmt: Der julianische Kalender liegt 13 Tage hinter dem gregorianischen zurück. Das Ergebnis: Auch wenn Katholiken und Orthodoxe dieselbe Grundregel anwenden — Ostern ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang — kommen sie nicht zum selben Ergebnis, da ihr Ausgangspunkt verschoben ist.
Die Jahre, in denen beide Osterfeste zusammenfallen
Manchmal fallen jedoch beide Feste auf denselben Tag. Das geschieht etwa 3 bis 4 Mal pro Jahrzehnt, wenn die Mondzyklen beider Kalender zufällig zusammentreffen. Die nächsten nennenswerten Übereinstimmungen sind für 2034 und 2037 vorgesehen.
In diesen Jahren feiern Millionen von katholischen und orthodoxen Christen weltweit gemeinsam die Auferstehung Christi — ein seltener und symbolisch bedeutungsvoller Moment für die christliche Einheit.
3. Wie wird das orthodoxe Ostern gefeiert? Die Traditionen
Ostern ist das wichtigste Fest im orthodoxen Kalender — weit bedeutsamer als Weihnachten. Es wird als „das Fest der Feste" bezeichnet und vereint jahrhundertealte geistliche und kulturelle Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Die Osternachtsmesse
Die Feier beginnt in der Nacht von Samstag auf Sonntag, gegen Mitternacht. Die Gläubigen versammeln sich in der vollständig verdunkelten Kirche. Der Priester entzündet dann eine Kerze und spricht die Worte, die in allen orthodoxen Kirchen der Welt widerhallen: „Christus ist auferstanden!" — worauf die Gläubigen antworten: „Wahrlich, er ist auferstanden!"
Die Flamme überträgt sich von Kerze zu Kerze, bis die gesamte Kirche erleuchtet ist. Anschließend findet eine Prozession um das Gebäude statt, angeführt von Kreuz und Ikonen, als Symbol für die Suche nach dem auferstandenen Christus. Diese Liturgie, die sogenannte Auferstehungsliturgie, dauert oft bis in den frühen Morgen und bildet den geistlichen Kern des orthodoxen Osterfestes. Die Gläubigen tragen dabei das orthodoxe Kreuz und die Ikonen.

Die Ostertafel: Osterlamm, rote Eier und der Osterkuchen
Nach der Mitternachtsmesse setzt sich das Fest mit einem Ostermahlzeit fort, die das Große Fasten beendet — eine 48-tägige Fastenzeit vor Ostern. Mehrere symbolträchtige Speisen zieren die Tafel:
Die roten Eier sind wohl das universellste Symbol des orthodoxen Osterfestes. In Rot gefärbt, um das Blut Christi und das neue Leben darzustellen, sind sie Gegenstand eines besonderen Rituals: Jeder Tischgast tippt sein Ei gegen das seines Nachbarn und sagt dabei „Christus ist auferstanden!" — wer das unversehrte Ei behält, gilt als vom Glück begünstigt für das kommende Jahr.
Das Osterlamm nimmt einen zentralen Platz auf der Tafel ein, als Symbol für das Opfer Christi. Es wird in der Regel im Ganzen gebraten, am Vorabend sorgfältig zubereitet und am Sonntagmorgen nach der Messe gemeinsam in der Familie gegessen.
Der Osterkuchen — auf Russisch Kulich, auf Griechisch Tsoureki und auf Rumänisch Cozonac genannt — ist ein duftiges Hefegebäck, das oft dekoriert und in der Kirche gesegnet wird, bevor es gemeinsam in der Familie genossen wird.
Die Traditionen nach Ländern: Russland, Griechenland, Serbien, Rumänien
Auch wenn die Grundzüge des orthodoxen Osterfestes überall gleich sind, bringt jedes Land seine eigene kulturelle Note mit.
In Russland ist Ostern das feierlichste religiöse Fest des Jahres. Die Kirchen sind zur Mitternachtsliturgie überfüllt, und die Familien bereiten wochenlang im Voraus die Paskha vor — eine pyramidenförmige Süßspeise aus Quark — sowie den Kulich. Der Austausch von drei Wangenküssen begleitet das traditionelle „Christos Woskrese!" (Christus ist auferstanden). Neben Ostern feiert das orthodoxe Russland das ganze Jahr über zahlreiche religiöse Feste, wie den Nikolaustag.
In Griechenland herrscht eine zugleich spirituelle und festliche Stimmung. Die Mitternachtsprozession durch die Straßen mit Kerzen ist ein beeindruckendes Schauspiel, dem oft ein Feuerwerk folgt. Am nächsten Tag versammeln sich die Familien um das am Spieß gebratene Lamm und genießen die Magiritsa — eine traditionelle Suppe aus Lamminnereien, die direkt nach der Mitternachtsmesse serviert wird, um das Fasten zu brechen.
In Serbien ist Ostern durch eine besondere Tradition geprägt: die Česnica, ein Brot, in das eine Münze eingebacken wird — wer sie in seinem Stück findet, dem wird ein erfolgreiches Jahr versprochen. Die serbischen Orthodoxen begrüßen das Fest mit „Hristos Vaskrse!" und pflegen das Ritual der roten Eier mit besonderer Inbrunst.
In Rumänien ist die Osternacht ein Moment großer spiritueller Intensität. Tausende von Gläubigen versammeln sich vor den Kirchen, Kerzen in der Hand, und bringen anschließend die heilige Flamme nach Hause, um ihr Heim zu segnen. Zum traditionellen Ostermahl gehören Lamm, rote Eier und der Cozonac, ein Hefegebäck mit Nüssen oder Kakao, das auf keiner Tafel fehlen darf.

4. Die Objekte und Symbole des orthodoxen Osterfestes
Ostern ist für viele Gläubige ein Anlass, religiöse Gegenstände zu verschenken oder sich selbst zu schenken — Objekte voller Bedeutung, die weit mehr als bloße Dekoration sind. Sie sind Träger des Glaubens und werden von Generation zu Generation weitergegeben.
Orthodoxe Ikonen
Die Ikone steht im Mittelpunkt der orthodoxen Spiritualität. Zu Ostern nehmen die Auferstehungsikonen — auf Griechisch Anastasis genannt — einen besonderen Platz in den Haushalten und Kirchen ein. Einer geliebten Person zu Ostern eine Ikone zu schenken ist eine tief verwurzelte Tradition in der russischen, griechischen, serbischen und rumänischen Kultur.
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Schmuck und Anhänger mit orthodoxem Kreuz
Das orthodoxe Kreuz unterscheidet sich durch seine charakteristische Form mit drei Querbalken vom katholischen Kreuz. Ein orthodoxes Kreuz zu tragen ist ein täglicher Glaubensakt — und Ostern ist häufig der Anlass, es einem Kind, einem Patenkind oder einer nahestehenden Person zu schenken, um diesen bedeutsamen spirituellen Moment zu ehren.
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5. Das orthodoxe Fasten: die Fastenzeit vor Ostern
Das orthodoxe Osterfest beginnt nicht erst am Sonntagmorgen — es wird durch 48 Tage des Fastens und der Besinnung vorbereitet, die als Große Fastenzeit bekannt sind. Sie gehört zu den anspruchsvollsten liturgischen Perioden im orthodoxen Kalender.
Wann beginnt das orthodoxe Fasten 2026?
Im Jahr 2026 beginnt die Große orthodoxe Fastenzeit am Montag, den 23. Februar und endet am Samstag, den 11. April — dem Vorabend von Ostern. Sie beginnt mit dem „Reinen Montag", dem ersten Fastentag, der auf den Sonntag der Vergebung folgt — einem Tag, an dem die Orthodoxen einander um Vergebung bitten, bevor sie in die Fastenzeit eintreten.
Was isst man während des orthodoxen Fastens?
Das orthodoxe Fasten ist eines der strengsten im Christentum. Während der Großen Fastenzeit verzichten die Gläubigen auf Fleisch, Milchprodukte, Eier und je nach Tag auch auf Fisch. Die genauen Regeln variieren leicht je nach nationaler Tradition und persönlicher Frömmigkeit, doch der Geist bleibt derselbe: körperliche Enthaltsamkeit im Dienst der geistlichen Einkehr.
Genau dieses lange Fasten macht das Ostermahlzeit am Sonntagmorgen so bedeutungsvoll. Nach 48 Tagen der Enthaltsamkeit gemeinsam mit dem Lamm, den roten Eiern und dem Osterkuchen zu speisen ist für orthodoxe Familien ein Moment tiefer Freude.

6. Häufig gestellte Fragen zum orthodoxen Ostern
Was ist der Unterschied zwischen orthodoxem und katholischem Ostern?
Der Hauptunterschied liegt im Kalender, der zur Datumsberechnung verwendet wird. Die katholische Kirche stützt sich auf den gregorianischen Kalender, während die orthodoxe Kirche den julianischen Kalender verwendet, der 13 Tage zurückliegt. Dadurch fallen beide Feste selten auf denselben Tag — der Unterschied kann bis zu fünf Wochen betragen.
Was bedeutet Ostern für die Orthodoxen?
Ostern (oder Pascha) ist das wichtigste Fest im orthodoxen Kalender, weit bedeutsamer als Weihnachten. Es feiert die Auferstehung Christi und vereint die tiefsten Traditionen des orthodoxen Glaubens: die Mitternachtsliturgie, die roten Eier, das Osterlamm und das Beisammensein der Familie.
Wann ist das orthodoxe Ostern 2026?
Das orthodoxe Osterfest fällt auf den Sonntag, den 12. April 2026, eine Woche nach dem katholischen Ostersonntag am 5. April.
Ist das orthodoxe Ostern in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag?
Nein, das orthodoxe Osterfest ist in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag. Nur der katholische Ostermontag ist ein Feiertag. Orthodoxe Gläubige nehmen sich in der Regel einen freien Tag, um das Fest zu begehen.

